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Sehnsucht nach Arbeit in der Stille

Von FRANK OLBERT, 08.03.05, 23:00h

Zuerst war sie die rennende "Lola" aus Deutschland, dann die Geliebte von Johnny Depp in "Blow". Jetzt hat Schauspielerin Franka Potente den neuen Horror-Thriller „Creep“ in Köln vorgestellt.

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Eine glückliche Frau: Franka Potente
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Eine glückliche Frau: Franka Potente
Die Schauspielerin stellte den Horror-Thriller „Creep“ in Köln vor.

Franka Potente sitzt ziemlich entspannt da. Noch keine schicken Klamotten, die zum Glanz des Roten Teppichs passen, über den sie am Abend in den Cinedom zur Deutschland-Premiere ihres neuen Films schreiten wird. Sie raucht - eine Tätigkeit, zu der sie fast nicht gekommen ist, als sie vor einiger Zeit zum ersten Mal ins Regiefach mit allen seinen Anforderungen wechselte: „Der die Tollkirsche ausgräbt“ soll ihr Film heißen, der im Jahr 1918 spielt und den Wechsel von der deutschen Monarchie zur Demokratie als Hintergrund hat. Und sie spielt mal wieder mit dem Gedanken, etwas ganz anderes zu machen als die Schauspielerei. „In den zehn Jahren, die ich jetzt als Schauspielerin arbeite, haben mich immer mal wieder Selbstzweifel geplagt: Mache ich das Richtige? Ich habe mit dem Gedanken gespielt, mich mit Fotografie zu beschäftigen“, sagt sie, blickt vom Hyatt aus auf das Altstadt-Panaroma und will wissen, was das für kleine Häuser sind.

Ungewohnte Rolle

Zehn Jahre Schauspielerei. Es gilt, ein veritables Potente-Jubiläum zu feiern, und dies zu einem Zeitpunkt, da die Jubilarin allem Anschein nach einmal mehr dabei ist, sich und ihre Arbeit neu zu erfinden. Sie schriftstellert, sie führt Regie - und auch auf der Leinwand ist sie in „Creep“ nun in einer Rolle zu sehen, die für die Potente eher ungewohnt wirkt: Der Engländer Christopher Smith hat einen Horrorschocker gedreht, der es an Blut, verstümmelten Körpern und Schrecksituationen wahrlich nicht fehlen lässt. Franka goes to Hollywood, das war einmal. Jetzt will sie in „Creep“ mit der Londoner U-Bahn fahren und erlebt den Horrortrip ihres Lebens (der Film startet am Donnerstag).

„Ein Horrorfilm ist wie Medizin oder wie Alkohol, er macht was mit einem“, sagt sie und nennt die Gründe, warum sie sich auf diese Independent-Produktion mit relativ geringem Budget und einem Nachwuchsregisseur überhaupt einließ: „Ich fand das Buch gut, ich fand gut, dass man am Anfang gar nicht weiß, was 'Creep' für ein Film wird - eine Romanze vielleicht? -, und mir hat auch gefallen, dass es irgendwann zu diesem Splatter kommt.“

Die Kate im Film zieht es zu einer Party hin, bei der auch George Clooney aufschlagen soll - der nicht kommt. Im wahren Leben ist Franka Potente dem Schauspieler natürlich längst begegnet: „George Clooney ist doch der Alphaman“, schwärmt sie und verdreht ein bisschen die Augen. So witzig, so charmant, und selbst bei größeren Gesellschaften gebe er einem das Gefühl, er sei allein für sein Gegenüber da. Man merkt also: Franka Potente ist ganz schön herumgekommen.

Nach ihrem Durchbruch mit „Lola rennt“ im Jahr 1998 hat es sie nicht mehr in Deutschland gehalten. Nicht mehr in der Berliner Filmszene, nicht mehr bei „Tom“ - Tom Tykwer, dem Regisseur von „Lola rennt“, mit dem sie liiert war. Franka Potente zog es nach Hollywood, zu einer amerikanischen Karriere, die zur deutschen möglichst parallel laufen sollte. So hatte sie sich das vorgestellt.

Und am Anfang lief es auch gut, vielleicht sogar perfekt. In „The Bourne Identity“ war sie neben Matt Damon zu sehen, sie avancierte zum internationalen Star, der gleich mit der Mitwirkung in einem Blockbuster glänzen konnte. Doch schon in der Fortsetzung „The Bourne Supremacy“ war sie nach wenigen Szenen schon wieder raus aus dem Film - sie musste sterben, dramatisch, im Wasser.

Ein bisschen schade findet sie das schon, die Geschichte der Marie hätte noch mehr hergegeben. Und mehr als Bedauern empfindet sie darüber, dass das nächste amerikanische Projekt, der Film „Therese Raquin“, an finanziellen Hürden kurz vor Drehbeginn scheiterte. Jetzt lebt sie wieder in Berlin und bereitet sich auf ihren nächsten deutschen Film vor, Oskar Roehlers Verfilmung der „Elementarteilchen“.

Mehr Leichtigkeit

Und sie strebt weiter danach, was sie schön des Öfteren als einen ihrer Lebenswünsche formuliert hat - mehr Leichtigkeit zu gewinnen. Deshalb schreibt sie ein Buch, deshalb führt sie Regie: um der Last zu entgehen, immer nur als Schauspielerin dazustehen, vielleicht sogar immer und ewig mit jener rennenden Lola identifiziert zu werden, die ihr seit dem Überraschungserfolg dieses Films sozusagen wie ein Schatten nachläuft.

Ein Buch zu schreiben, „das ist so eine ganz andere Arbeit als die Schauspielerei, wo immer was los ist am Set - ein Buch zu schreiben, das ist Arbeit in der Stille.“ Diese genießt Franka Potente offenbar ebenso sehr wie die Arbeit an ihrem ersten eigenen Film: Für „Der die Tollkirsche ausgräbt“ hat sie sich mit Stummfilmen beschäftigt, die sie liebt, und mit der russischen Avantgarde, die ihre großen Filme just zu der Zeit hervorbrachte, zu der Potentes eigenes Werk spielt.

Es scheint, als sei ihr das Gehäuse, in dem sie die vergangenen zehn Jahre verbracht hat, zu eng geworden, als habe die Zeit der Desorientierung nach dem Hollywood-Experiment auch ihr Gutes gehabt. Franka Potente rennt wieder, in „Creep“ ohnehin, aber auch sonst hat sie wieder Tempo gewonnen. „Mache ich das Richtige?“ Das fragt sie sich auch jetzt noch, doch im Unterschied zu früher probiert sie mehr aus. Wer weiß, vielleicht werden wir einmal eine Franka Potente erleben, die in Hollywood nicht vor der Kamera steht, sondern selbst die Regie übernimmt. „Lola rennt“ hat es doch gezeigt: Möglich ist vieles.



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