New York - Fünf Jahrzehnte ist es her, dass der maßgebliche
Gründer des Bebop und wohl größte Saxofonist aller Zeiten starb.
Charlie "Bird" Parker erlag nach einem kurzen turbulenten Leben am
12. März 1955 einem Herzinfarkt. Sein Todestag jährt sich an diesem
Samstag zum 50. Mal. Parker gilt neben Louis Armstrong und Ornette
Coleman als einer der drei "revolutionären Genies" des Jazz.
Regisseur Clint Eastwood schuf 1988 mit seinem Film "Bird" ein
Mammut-Porträt des schwarzen Musikers und Komponisten.
In nächtelangen Jam-Sessions hatte Parker Anfang der 40er Jahre in
Harlem die Abkehr von der ihm allzu glatten und kommerziellen
Swingmusik gesucht. Zusammen mit dem Trompeter Dizzy Gillespie, dem
Pianisten Thelonious Monk und Schlagzeuger Kenny Clarke brach er mit
allen bis dahin gültigen Gesetzen von Harmonie und Rhythmus und
entwickelte einen Stil, der von hektischen und krassen Tonsprüngen
geprägt war: Der Bebop, wie seine Pioniere ihn nannten, leitete die
Ära des modernen Jazz ein.
Parkers Aufstieg zum legendären "Bird" war zugleich der Weg in den
Tod. Jeden Tag musste der Saxofonist sich und der Umwelt sein Können
neu beweisen. Seine Heroin- und Alkoholabhängigkeit führten
wiederholt zum Zusammenbruch und trieben ihn in die Psychiatrie.
Anfang der 50er Jahre holte ihn sein exzessiver Lebensstil ein: Er
verpasste Auftritte, konnte seine Bandmitglieder nicht mehr bezahlen
und erhielt Hausverbot in mehreren New Yorker Nachtclubs. Als seine
kleine Tochter starb und und die vierte Ehe zerbrach, unternahm er
einen Selbstmordversuch.
Parkers Songs reflektieren zwischen den Tönen Schmerz, Einsamkeit
und eine undefinierte Sehnsucht. Seine melancholischen Texte sind wie
ein Soundtrack zum eigenen Leben. Zu den Stücken aus seiner
kreativsten Zeit Mitte bis Ende der 40er Jahre gehören "Ornithology",
"Yardbird Suite", "Night in Tunisia" und "Relaxin' at Camarillo".
Jazzgiganten des 21. Jahrhunderts wie Wynton Marsalis knüpfen noch
heute an seine Tradition an. (dpa)