Von JOHANNES SCHMITZ, 24.03.05, 07:12h, aktualisiert 24.03.05, 10:12h
Niederkassel - „Et kütt wie et kütt“ steht auf der Informations-CD, die die Hochwasserschutzzentrale in Köln herausgegeben hat. So launig wie in der Domstadt geht man bei der Verwaltung in Niederkassel aber nicht mit diesem Thema um. Denn schließlich obliegt ihr die Sicherheit der hochwassergefährdeten Bürger in Lülsdorf und Ranzel. Und diese Aufgabe nimmt sie sehr ernst.
Nachdem die Arbeiten zum Hochwasserschutz seit mehr als einem Jahr durch Klagen von Privatleuten und Landwirten aufgehalten werden, ist jetzt wieder Bewegung in die Sache gekommen. Denn das Regierungspräsidium in Köln hat ein vitales Interesse an den Maßnahmen in Niederkassel, weil diese auch den Pegelstand in Köln reduzieren sollen.
Nicht zuletzt deshalb hat Regierungspräsident Jürgen Roters den sofortigen Vollzug angeordnet. Demnach sollen die Arbeiten am Rheindamm, an der Uferstraße und an Burg Lülsdorf möglichst bald beginnen. Doch auch dieser Dringlichkeitsbeschluss muss noch einige Hindernisse umschiffen: Eine Privatperson aus Lülsdorf klagt dagegen. Und außerdem befürchtet der Erste Beigeordnete der Stadt Niederkassel, Helmut Esch, dass die Umweltverbände Einwände gegen die aktuellen Planungen zum Hochwasserschutz haben könnten, die den ursprünglich vorgesehenen ökologischen Ausgleich in abgewandelter Form vorsehen.
Konkret sind drei Maßnahmen geplant. Im Rheinbogen bei Lülsdorf soll der Altdeich saniert und erhöht werden. Bisher würde das Wasser dort überschwappen, wenn der Kölner Pegel die Marke von 10,69 Metern überschreiten sollte. Experten haben jedoch errechnet, dass diese Höhe für einen optimalen Schutz bei weitem nicht ausreicht.
Daher soll der Rheindamm bei Lülsdorf auf 11,30 Meter aufgestockt werden. In den Deich sollen außerdem zwei Fluttore eingesetzt werden, deren Unterkante bei 10,90 Metern liegt. Wohlbemerkt: Diese Meterangaben beziehen sich nicht auf die Höhe des Deiches vom Boden aus gemessen, sondern auf den Pegelstand in Köln.
Sollte der Wasserstand in Köln also die ominösen 11,30 Meter erreichen, würden die Tore in Niederkassel geöffnet und das Wasser könnte sich über die Felder im Rheinbogen westlich von Lülsdorf ergießen. Für Köln brächte dies eine Senkung des Wasserstandes von drei bis vier Zentimetern.
Die Felder dienten damit als so genannter Retentionsraum. Rund 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser würde das Gelände fassen können. Dazu muss jedoch noch ein zweiter Deich gebaut werden, der das Becken eingrenzt und gleichzeitig die Häuser in Lülsdorf vor den Wassermassen schützt.
Dieser Erdwall soll vom Ende der Uferstraße über die Felder bis zur Langeler Straße reichen. Sollte der Pegel in Köln an der Marke von 11,30 Metern ankommen und der Retentionsraum durch das Öffnen der Tore geflutet werden, stünden zwar die Spargel- und Erdbeerfelder der örtlichen Landwirte unter Wasser. Den Menschen in Lülsdorf und Ranzel sowie in Köln wäre jedoch erheblich geholfen.
Diese große Maßnahme des Retentionsbeckens soll von zwei kleineren flankiert werden. Zum einen ist ein Lückenschluss geplant zwischen dem Deich im Rheinbogen und der Uferstraße unterhalb des Schneppenhofes. Der Rest der Uferstraße liegt bereits oberhalb des gefährlichen Pegels. Zum anderen muss an der Burg Lülsdorf ein neuer Deich her, der in eine Schutzmauer übergehen soll. Doch das dringend notwendige Bauvorhaben in diesem Bereich wird durch eine Klage blockiert.
Außerdem haben Landwirte, deren Ackerböden im Retentionsraum liegen, gegen die Maßnahmen geklagt, da in ihren Feldern ursprünglich eine Flutmulde und eine Alluvialrinne angelegt werden sollten. Diese hätten als ökologischer Ausgleich für das Retentionsbecken und die zwei Deiche gedient.
Beide Grünflächen sind jedoch in den aktuellen Planungen der Stadt und des Regierungspräsidiums nicht mehr enthalten, um den Landwirten nicht mehr Ackerfläche wegzunehmen als unbedingt nötig. Beigeordneter Helmut Esch geht daher davon aus, dass mit den Landwirten eine außergerichtliche Einigung gefunden wird. Für den gesetzlich vorgeschriebenen ökologischen Ausgleich sollen jetzt Wildkräuterstreifen in den Feldern sorgen.
Esch hofft nun, dass die Erhöhung des Hochwasserschutzes für die gut 13 000 Bewohner Ranzels und Lülsdorfs nicht durch die Klagen aufgeschoben wird. Denn eins stehe fest: Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
![]() |
Mahjongg Fortuna » 2337 Spieler |
![]() |
Zuma » 1507 Spieler |
![]() |
Bookworm » 1263 Spieler |
![]() |
Bubble Shooter » 1034 Spieler |
![]() |
Bejeweled 2 » 956 Spieler |