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10 Jahre Domian: Am Anfang war das Minenfeld

Erstellt 31.03.05, 13:33h

Durch die Telefontalkshow hat Jürgen Domian die WDR-Hörfunkwelle EinsLive bundesweit bekannt gemacht. Bis zu 320000 Zuschauer sehen die Sendung allein im Fernsehen. Mit dem Moderator sprach der "Kölner Stadt-Anzeiger".

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Jürgen Domian
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Jürgen Domian
Durch die Telefontalkshow hat Jürgen Domian die WDR-Hörfunkwelle EinsLive bundesweit bekannt gemacht. Bis zu 320 000 Zuschauer sehen die Sendung allein im Fernsehen. Mit dem Moderator sprach Tim Stinauer.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Domian, nächste Woche sind Sie zehn Jahre auf Sendung. Nie waren die Einschaltquoten höher als in den vergangenen Monaten. Warum ist das simple Konzept Ihrer Sendung eigentlich nie kopiert worden?

JÜRGEN DOMIAN: Es ist ein riskantes Format. Vor allem in der Anfangszeit war es ein Minenfeld. Wir sind an viele Tabuthemen gestoßen. Ein öffentlich-rechtlicher Sender braucht da schon einen starken Chef, der hinter dem Format steht. Ich habe es Fritz Pleitgen zu verdanken, dass er die Sendung seinerzeit durchgesetzt hat.

Warum ist die Show so erfolgreich?

DOMIAN: Einerseits, weil die Menschen offenbar ein großes Bedürfnis haben, sich zu äußern. Andererseits, weil sie großes Interesse daran haben, anderen zuzuhören und zu erfahren: Wie gehen die mit ihrem Schicksal um? Kann ich vielleicht von denen lernen?

Stellen Sie nach zehn Jahren Ermüdungserscheinungen fest?

DOMIAN: Nein, überhaupt nicht. Es ist schön mitzubekommen, dass man mit Hilfe eines so kleinen Formats bisweilen gravierend positiv in Schicksale eingreifen kann. Die Ermüdungserscheinungen sind höchstens körperlicher Natur. Früher dachte ich, ich gewöhne mich an die Nachtarbeit. Aber im Gegenteil: Es wird immer schwieriger.

Gibt es andere Sendungen, die Sie gerne moderieren möchten?

DOMIAN: Der Großbereich Talkshow ist schon mein Ding, das finde ich sehr herausfordernd. Seit kurzem machen wir samstags einen Promitalk, wo sich ein Prominenter meinen und den Fragen der Zuschauer stellt. Das würde ich gerne noch weiter ausbauen.

Wer ist Ihr Traumgast?

DOMIAN: Ganz klar Harald Schmidt, der Gott des Entertainments in Deutschland. Ich bin bereits eifrig dabei, ihn zum Kommen zu bewegen. Und Karl Lagerfeld, einer der schillerndsten deutschen Prominenten von Weltrang.

Sie stammen aus Gummersbach und leben seit mehr als 20 Jahren in Köln. Was mögen Sie an der Stadt?

DOMIAN: Köln ist von der Mentalität her Klein-Berlin: offen, schräg und mit einer sehr vitalen Künstlerszene.

Warum schräg?

DOMIAN: Weil der Kölner einmal im Jahr so dermaßen die Sau rauslassen kann, dass mich das anfangs extrem befremdet hat. Mittlerweile finde ich es sehr sympathisch, dass man wenigstens auf Knopfdruck fröhlich sein kann.

Und was stört Sie an Köln?

DOMIAN: Die Kleinkariertheit im städtebaulichen Bereich. Ich wünsche mir größere Würfe. Die Diskussion um die Oper ist unerträglich. Dieser Schrottkasten gehört so schnell wie möglich abgerissen. Die Idee, auf dem Kirmesplatz in Deutz einen Neubau zu wagen, ist doch großartig. Warum zum Beispiel hat man unsere schöne Philharmonie in der Erde verbuddelt? Und dann dieser spießige Heumarkt mit diesen hässlichen Glaskästen, die zur Tiefgarage führen. Oder denken Sie an die Kirchen: Wir haben so viele traumhaft schöne Kirchen. Aber was macht der Kölner? Baut sie in den 50er Jahren mit Sparkassen und Geschäften ein, die heute leider unter Denkmalschutz stehen.

Viele können einen Rat derzeit gut gebrauchen. Was würden Sie etwa den Eltern der amerikanischen Komapatientin raten?

DOMIAN: Sehr schwierig. Ich werde nie den Anblick des Vaters eines Freundes vergessen, der sechs Jahre im Koma lag. Ich finde, dass man einen Menschen in solch einem Fall in Würde sterben lassen soll.

Ihre Meinung zum Papst?

DOMIAN: Es würde mich sehr beeindrucken, wenn er sich angesichts seiner Qualen zurückziehen würde. Alle Welt würde respektieren, wenn er die letzten Tage in Ruhe verbringen würde.

Würden Sie Lukas Podolski raten, seine Karriere in Köln zu beenden?

DOMIAN: Von Fußball habe ich null Ahnung. Aber Prinz Poldi kenne sogar ich. Der soll ruhig noch lange in Köln bleiben. Auf den können wir stolz sein.



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