Von ULLA JÜRGENSONN, 04.04.05, 07:12h, aktualisiert 04.04.05, 10:08h
Brühl - Schuld an der ungewöhnlichen Zweiteilung der Ausstellung, in deren Rahmen alljährlich das Max-Ernst-Stipendium verliehen wird, war allerdings nicht, wie man vermuten könnte, das Format der Bilder, die Franziska Klotz zeigt. Die Arbeiten der ersten Preisträgerin und damit Stipendiatin sind in der Tat sehr groß, aber auch wieder nicht so groß, dass für die beiden anderen Preisträger kein Platz geblieben wäre. Doch die Installation des zweitplatzierten Christoph Knapp wäre auf dem Parkettboden der Galerie am Schloss einfach nicht zur Geltung gekommen.
So zeigte er nur einen Teil der hölzernen Skulpturen, von denen die Jury befunden hatte, dass ihre Konzeption der „organischen Entfaltung des Werkstücks abstrahierend Rechnung trägt“. Knapp, 32 Jahre alt und Lehrer von Beruf, wohnt in Frechen - der erste Preisträger aus dem Rhein-Erft-Kreis seit langem.
Das Foyer hat die Drittplatzierte Natalie Czech mit Beschlag belegt. Dort sind ihre fotografischen Arbeiten zu sehen, in denen sie Luftaufnahmen von Städten verfremdet hat. Ungewöhnliche Effekte gelingen der Studentin der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Jury: „Das dokumentarische Abbild wird zum inszenierten Bild, faszinierend und trügerisch zugleich.“
Ganz undramatische Szenen sind es, die Franziska Klotz, 26-jährige Studentin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, da ins große Format bannt. Ein Kind, das einem Hund gegenübersteht, ein Mann am Strand, sogar ein Müllcontainer genügt als Motiv. Fotos liefern ihr die Ideen - eigene Schnappschüsse, aber auch Bilder aus Zeitschriften. Die geben den Impuls, damit sie mit Pinsel und Stift wie mit dem Florett auf die Leinwand losgeht. Manche Figuren bleiben bloß Kontur, anderes ist detailgetreu ausgeführt. Fast immer jedoch bleibt der Hintergrund unvollständig, gewissermaßen angedeutet, aber nicht zu Ende gemalt. Es seien doch alle Informationen da, die das Bild brauche, findet die Künstlerin: „Da muss ich doch nicht alles zukleistern.“
Klar, dass das Max-Ernst-Stipendium am 114. Geburtstag von Max Ernst nicht ohne einen Vortrag über Max Ernst verliehen werden konnte. Darüber, woher der Künstler seine Inspiration bezog, sprach Professor Wieland Schmied, langjähriger Präsident der Akademie der schönen Künste in München.
Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung, die Brühl Bürgermeister Michael Kreuzberg vornahm, sorgten Maria Naß und Theresa Pickavé. Die beiden, mehrfache Preisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert, verblüfften die Zuhörer: Haben andere Leute schon Probleme, einer Blockflöte einen klaren Ton zu entlocken, so spielten sie jeweils zwei Flöten gleichzeitig - beeindruckend, aber gewöhnungsbedürftig.
Die Ausstellung der Preisträgerarbeiten ist bis zum 16. April zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.
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