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Internisten warnen vor neuer HIV-Welle

Erstellt 05.04.05, 13:42h

Mit enormen Zuwachsraten in Osteuropa sei Aids "ein Problem vor unserer Haustür" geworden, sagte der Internist Prof. Norbert Brockmeyer. Die Syphilis habe in Deutschland bereits stark zugenommen, normalerweise folge darauf mit einigem Abstand ein spürbarer HIV-Zuwachs.

Aids-Virus
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Modell des Virus, das die Immunschwäche Aids auslöst.
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Modell des Virus, das die Immunschwäche Aids auslöst.
Wiesbaden - Internisten warnen vor einem deutlichen Anstieg von Aids-Infektionen in Deutschland und fordern wieder mehr Aufklärung über die Immunschwächekrankheit. Mit enormen Zuwachsraten in Osteuropa sei Aids "ein Problem vor unserer Haustür" geworden, sagte Prof. Norbert Brockmeyer am Dienstag beim Internistenkongress in Wiesbaden. Ansteckungsgefahr lauere unter anderem bei Prostituierten.

Die beim Geschlechtsverkehr übertragbare Syphilis habe in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Innerhalb Westeuropas habe die Bundesrepublik dabei bereits einen Spitzenplatz erreicht. Nach aller Erfahrung folge auf eine Syphilis-Welle mit einigem Abstand ein spürbarer HIV-Zuwachs, so Brockmeyer.

Informationskampagnen seien vor allem in Schulklassen nötig, Schwangeren solle vorbeugend ein Aids-Test angeboten werden, um die Gefahr einer möglichen Übertragung auf das Kind zu minimieren. Hausärzte müssten laut Brockmeyer etwa bei ungewöhnlichen Infektionen oder Hautveränderungen wieder mehr an HIV denken und einen Test vorschlagen. "Das wird vom Arzt aber ungern angesprochen."

Infektionsgrund ist nach den Untersuchungen oft Geschlechtsverkehr mit HIV-positiven Prostituierten. Nur noch die Hälfte der neu Infizierten stecke sich bei gleichgeschlechtlichem Sex unter Männern an, sagte Brockmeyer, der auch Präsident der deutschen Aids- Gesellschaft ist.

Derzeit infizieren sich in Deutschland etwa 2000 Menschen jährlich neu mit dem Virus. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren Ende 2004 rund 44 000 Menschen in Deutschland infiziert oder bereits an Aids erkrankt. Rund 700 starben im Jahr 2003 daran.

Grund für die Sorglosigkeit vor allem bei Jugendlichen seien die Behandlungserfolge und deutliche Verringerung der Sterblichkeit seit Mitte der 90er Jahre, sagte der Berliner Internist Keikawus Arasteh. Dabei werde übersehen, dass die längere Überlebenszeit mit erheblichen Nebenwirkungen wie Hautausschlag, Leber- und Blutveränderungen und höherem Infarktrisiko erkauft werde.

Die medikamentöse Therapie bleibe zudem ein Wettlauf mit der zunehmenden Resistenz von Aids-Viren. Die Internisten fordern deshalb, dass die Krankenkasse den rund 300 Euro teuren Resistenztest bezahlt. (dpa)


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