Modell des Virus, das die Immunschwäche Aids auslöst.
Modell des Virus, das die Immunschwäche Aids auslöst.
Wiesbaden - Internisten warnen vor einem deutlichen Anstieg
von Aids-Infektionen in Deutschland und fordern wieder mehr
Aufklärung über die Immunschwächekrankheit. Mit enormen Zuwachsraten
in Osteuropa sei Aids "ein Problem vor unserer Haustür" geworden,
sagte Prof. Norbert Brockmeyer am Dienstag beim Internistenkongress
in Wiesbaden. Ansteckungsgefahr lauere unter anderem bei
Prostituierten.
Die beim Geschlechtsverkehr übertragbare Syphilis habe in den
vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Innerhalb
Westeuropas habe die Bundesrepublik dabei bereits einen Spitzenplatz
erreicht. Nach aller Erfahrung folge auf eine Syphilis-Welle mit
einigem Abstand ein spürbarer HIV-Zuwachs, so Brockmeyer.
Informationskampagnen seien vor allem in Schulklassen nötig,
Schwangeren solle vorbeugend ein Aids-Test angeboten werden, um die
Gefahr einer möglichen Übertragung auf das Kind zu minimieren.
Hausärzte müssten laut Brockmeyer etwa bei ungewöhnlichen Infektionen
oder Hautveränderungen wieder mehr an HIV denken und einen Test
vorschlagen. "Das wird vom Arzt aber ungern angesprochen."
Infektionsgrund ist nach den Untersuchungen oft Geschlechtsverkehr
mit HIV-positiven Prostituierten. Nur noch die Hälfte der neu
Infizierten stecke sich bei gleichgeschlechtlichem Sex unter Männern
an, sagte Brockmeyer, der auch Präsident der deutschen Aids-
Gesellschaft ist.
Derzeit infizieren sich in Deutschland etwa 2000 Menschen jährlich
neu mit dem Virus. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren Ende
2004 rund 44 000 Menschen in Deutschland infiziert oder bereits an
Aids erkrankt. Rund 700 starben im Jahr 2003 daran.
Grund für die Sorglosigkeit vor allem bei Jugendlichen seien die
Behandlungserfolge und deutliche Verringerung der Sterblichkeit seit
Mitte der 90er Jahre, sagte der Berliner Internist Keikawus Arasteh.
Dabei werde übersehen, dass die längere Überlebenszeit mit
erheblichen Nebenwirkungen wie Hautausschlag, Leber- und
Blutveränderungen und höherem Infarktrisiko erkauft werde.
Die medikamentöse Therapie bleibe zudem ein Wettlauf mit der
zunehmenden Resistenz von Aids-Viren. Die Internisten fordern
deshalb, dass die Krankenkasse den rund 300 Euro teuren Resistenztest
bezahlt. (dpa)