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„Bloggen ist so populär geworden, weil es so einfach ist“

Erstellt 14.04.05, 07:49h

Kai Pahl, einer der Herausgeber des Buches „Blogs! Texte und Formen im Internet“ über Qualitätsstandards, Selbstdarsteller und Subjektivität. Mit ihm sprach Simone Deckner.

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Kai Pahl, Blogger und Buchautor
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Kai Pahl, Blogger und Buchautor
Kai Pahl, einer der Herausgeber des Buches „Blogs! Texte und Formen im Internet“ über Qualitätsstandards, Selbstdarsteller und Subjektivität. Mit ihm sprach Simone Deckner.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: In ihrem Buch beklagen sie einen Qualitäts verfall im Online-Journalismus. Demgegenüber stellen sie die Ge nauigkeit der Blogger. Halten sie Blogger für die besseren Journalis ten?

KAI PAHL: Diese Eins-zu-eins-Konfrontation, hier Journalist, dort Blogger, gibt es meines Erachtens nicht. Ein wichtiger Teil der Qualität der Blogger entsteht durch die so genannte Blogosphäre, also durch die Vernetzung der einzelnen Inhalte. Ein Punkt, der so bei Journalisten nicht gegeben ist. Sie sind oft Einzelkämpfer oder eingebettet innerhalb ihres relativ kleinen Biotopes der Zeitung, Zeitschrift oder Onlineredaktion.

Blogger schreiben aus einer be wusst subjektiven Sichtweise. Sie sa gen: Kein Wunder, dass die Leute lieber Blogs lesen, viele Artikel sind aufgrund der objektiven Grundhal tung einfach stinklangweilig.

PAHL: Spiegel, Spiegel TV, Guido Knopp im ZDF, die RTL News - alle arbeiten über die Schiene Emotionalisierung und Personalisierung. Das ist also kein alleiniges Merkmal von Blogs.

Sie sagen: „Bloggern geht es vor al lem um den Spaß am Publizieren.“ Man könnte auch sagen: Es geht Ih nen vor allem um ihre Selbstdarstel lung.

PAHL: Natürlich wird es unter den Bloggern auch Selbstdarsteller geben, aber Bloggen hat sehr viel von spontanem Schreiben. Das widerspricht einer inszenierten Selbstdarstellung. Bloggen ist populär geworden, weil es so einfach ist. Das bewirkt natürlich auch, dass viel Schrott geschrieben wird und viel Falsches reingeschrieben wird und viel reingeschrieben wird, dass man Tage später eigentlich so nicht mehr geschrieben hätte. Das alles steuert einer glatten Selbstdarstellung entgegen.

Hat in fünf Jahren jeder ein Blog?

PAHL: Das Blog wird dann als natürliches Medium wahrgenommen werden, etwa wie das Handy. Vor allem von der jüngeren Generation. Das zeichnet sich jetzt bereits in Frankreich ab, wo mittlerweile alle Fernseh- und Radiostationen, die auf ein jugendliches Publikum zielen, Blog-Hoster sind.

Don Alphonso, Kai Pahl (Hg.): Blogs! Fünfzehn Blogger über Text und Formen im Internet, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 24,90 Euro.



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