Von GÜNTHER M. WIEDEMANN, 14.04.05, 07:40h
Berlin - Vor zunehmender Armut im Alter warnt der Sozialverband Deutschland. „Ganz erheblich betroffen und das in einem Ausmaß, wie wir uns das heute gar nicht vorstellen können, sind die Langzeitarbeitslosen“, sagte Verbands-Präsident Adolf Bauer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bezieher des neuen Arbeitslosengeldes II hätten auf Grund geringerer Einzahlungen durch die Arbeitsverwaltung pro Jahr ihrer Arbeitslosigkeit nur noch einen Rentenanspruch von 4,30 Euro. Wer mit 55 in Dauerarbeitslosigkeit entlassen werde, wie es für viele zutreffe, für den steige die Rente bis 65 nur noch um 43 Euro.
„Die Altersarmut, die man für überwunden hielt, wird auch auf Grund der Rentenreform wieder ansteigen. Besonders betroffen ist die Generation, die 2025 in den Ruhestand geht. Sie bekommt eine Rente, die nur noch wenig über der alten Sozialhilfe liegt“, kritisiert Bauer. Er rät deshalb Jüngeren, „sich immer weiterzubilden“; dies sei der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit, die die Rente seit Hartz IV dramatisch schmälere. Außerdem sei es unabdingbar, neben der gesetzlichen Rente fürs Alter vorzusorgen.
Energisch widerspricht Bauer der Forderung, die heutigen Rentner, denen es so gut gehe wie keiner Generation zuvor, müssten sich stärker einschränken, damit sich auch für ihre Kinder und Enkel das heutige Rentensystem noch rechne. „Die Rentner haben sich ihre Rente mit harter Arbeit verdient. Sie haben nicht 35 Stunden, sondern anfangs 48 Stunden gearbeitet, und das über 40 Berufsjahre. Die Rentner haben ihren Teil des Generationenvertrages erfüllt.“
Die Rentenversicherung „hat nicht deshalb Finanzprobleme, weil wir zu viele Rentner haben, sondern weil wir zu viele Arbeitslose haben.“ Das in diesem Jahr drohende Milliarden-Defizit in der Rentenkasse sei zudem „eine Folge politischer Entscheidungen“. Für den SoVD gehört dazu der geringere Renten-Beitrag für Langzeitarbeitslose und das Abschmelzen der Rücklagen. Bauer spricht sich dafür aus zu prüfen, ob die versicherungsfremden Leistungen durch den Bundeszuschuss zur Rentenversicherung abgedeckt seien. Dieser müsse gegebenenfalls erhöht werden. Beitragserhöhungen seien angesichts der Wirtschaftslage nicht sinnvoll.
Minus-Runden für die Rentner lehnt Bauer ab. Erstens sei die Rente 2004 und 2005 faktisch gekürzt worden durch höhere Zuzahlungen für Gesundheit und Pflege. Damit sei für Bezieher niedrigerer Renten „das Ende der Fahnenstange erreicht“. Bauer verweist darauf, dass sechs Millionen Rentner monatlich nur bis zu 600 Euro bekommen.
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