Von HARALD RÖHRIG, 26.04.05, 07:12h, aktualisiert 26.04.05, 09:52h
Auch im östlichen Rhein-Sieg-Kreis gibt es jetzt Überlegungen, mit einem Regionalgeld zu regionalem Handeln aufzufordern, Zinsen auszuschalten, die örtlichen Bindungen zu stärken und für mehr Umsatz in diesem Bereich zu sorgen. Mit dem Bergtaler in Wuppertal und dem Westerwälder in Altenkirchen, der sich in Richtung Geldkartensystem entwickeln soll, gibt es bereits Erfolg versprechende Ansätze auch in der unmittelbaren Nachbarschaft. Bei einer informativen Veranstaltung gaben die Agenda 21 und der Bergische Naturschutzverein (RBN) jetzt den Startschuss für die obere Sieg. Ralf Becker von der Europäischen Akademie der Wissenschaft und der Künste machte im Bergischen Hof in Schladern mit einer ganzen Reihe von Regionalwährungen bekannt. Der Referent von der Arbeitsgruppe „Our Future Economy“, der ein Aufbaustudium in Sachen Geld aufweisen kann, stellte sich schnell als Anhänger von Geld ohne Zinsen und Inflation heraus.
Gelder ohne Zinssystem, machte Becker klar, haben auch Einfluss darauf, wann ökologische Investitionen gemacht werden können. Zahlreiche regionale Gruppierungen plädierten dafür, berichtete Becker, ein zinsfreies Geld einzuführen. Das Regionalgeld wirkt sich besonders produktiv im örtlichen Kreislauf aus und könnte dort zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen. Bis vor 150 Jahren sei es völlig normal gewesen, so Becker, dass jede Stadt ihre eigene Währung besaß. Selbst die Bundesbank bestätige, so der Referent, dass Regionalgeld wirtschaftsfördernd sei.
Am Beispiel des Chiemgauer, der inzwischen 31 000 Mal im Umlauf ist, sowie der Hansemark und der Schweizer Tauschring-Konstruktion „wir“ erläuterte der Finanzfachmann die Wirkungsweise des Regionalgeldes. Der Chiemgauer zum Beispiel, herausgegeben vom Regional-Verein für nachhaltiges Wirtschaften, kann bei einer Rücktauschgebühr von fünf Prozent jederzeit wieder in Euro umgetauscht werden. Drei Prozent der Gebühr werden dann als Spende an gemeinnützige lokale Vereine abgeführt.
Für einen schnelleren Umlauf sorgt unter anderem eine Art Inflationsgebühr, die man zu bestimmten Zeitpunkten zahlen muss, damit die Währung gültig bleibt. In zwei Jahren steigerte sich der Umsatz des Chiemgauers um 500 Prozent. Andere Systeme wie die Hansemark funktionieren auf dem Prinzip der Leistungsdeckung in Form von Gutscheinen. So könne man den Gemeinschaftssinn einer Region enorm stärken, betonte Becker.
Andererseits rege Regionalgeld auch zu globalem Denken an, erhöhe Einkommen und Steuern, stärke soziale Stabilität. Hans-Heiner Heuser vom RBN erinnerte zusammen mit Becker an die Initiativen Raiffeisens, der mit dem Genossenschaftsgedanken vor nicht allzu langer Zeit einen erfolgreichen Impuls in der Region setzte. Jetzt könnten Raiffeisengenossenschaften und Volksbanken erneut die Initiative ergreifen, meinte Heuser. „Wir brauchen Mutige, die voran gehen“, erklärte Becker und stellte außerdem klar: „Geld beruht alleine auf Vertrauen.“ Der Experte will sich bei Bedarf auch als „Coach“ zur Verfügung stellen, um dem Regionalgeld im östlichen Rhein-Sieg-Kreis auf die Sprünge zu helfen. Ein Name für diese Währung müsste noch gefunden werden. Wie wäre es mit „Sieg-Taler“?
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