Von OLIVER GÖRTZ, 05.05.05, 08:58h
Allerdings kann das Stadtteilgremium die „große Lösung“ nicht verhindern, da der Rat darüber befindet. Die Bezirksverordneten beschlossen jedoch zwei Prüfanträge: Die CDU hatte die Idee, von NRW aus Retentionsräume in Hessen zu finanzieren, die Köln schützen würden. Die SPD möchte, dass die Stadt Hochwasserschutz-Alternativen zum Worringer Polder ausarbeitet. Zudem beantwortete Albert Mahn von den Stadtentwässerungs-Betrieben (Steb) bei der Sitzung Fragen der Stadtteilpolitiker.
„Man muss prüfen, ob rheinaufwärts mehr getan werden kann“, appellierte Bezirksvorsteher Hans Heinrich Lierenfeld. Und die CDU-Fraktionsvorsitzende Lidwina Lierenfeld-Welter erwog gar, sich vom Worringer Hochwasserschutz freizukaufen: „Warum fragen wir nicht die Hessen: Wie viel wollt haben, damit ihr eure Polder öffnet?“ Unionskollege Klaus Koch schlug vor, die vom Land NRW für den Worringer Retentionsraum vorgesehenen 29,9 Millionen Euro der Wiesbadener Landesregierung zu geben, um dort Flutungsbecken zu schaffen. Auf alternative Planungen zum Worringer Rückhalteraum bestand die SPD. „Sie werden an der FFH-Richtlinie scheitern“, so Sozialdemokrat Bodo Tschirner zu Mahn. Das Ergebnis der Umweltprüfung „Flora-Fauna-Habitat“ (FFH), die vor allem das im Polder-Bereich liegende Naturschutzgebiet Worringer Bruch untersucht, steht noch aus.
Der von der Bezirksvertretung geforderten Variante, zunächst den kleinen und - wenn überhaupt - erst später den großen Polder zu bauen, erteilte Albert Mahn ein Absage. „Die Zwei-Stufen-Lösung ist endgültig vom Tisch“, so der Steb-Mitarbeiter, NRW bezuschusse nur einen großen Retentionsraum. Zu bereits in vorigen Sitzungen gestellten Fragen der Stadtteilpolitiker nahmen die Steb schriftlich Stellung: Zehn bis zwölf Tage würde es dauern, bis die rund 24,6 Millionen Kubikmeter Wasser nach einer Flutung aus dem - großen - Polder wieder abgelaufen seien. Die Tankstelle an der B 9 müsse hochwassersicher umgebaut, eingedeicht oder ausgelagert werden. Landwirtschaftliche Betriebe würden nicht entschädigt, da „gegenüber der natürlichen Flutung“ (ohne Polder) „keine Nachteile durch die gezielte Flutung“ (mit Polder) entstünden.
Ein anderer strittiger Punkt ist der Pegelstand, ab dem der Retentionsraum im Fall eines Hochwassers geöffnet würde. In einem noch zu erstellenden „Betriebsplan“ werde dies genau festgelegt, so die Steb. Ebenso, welche Behörden dann die Anordnung zur Flutung gäben. „Wir öffnen erst ab 11,70 Metern Kölner Pegel“, versicherte Mahn, worauf Bezirksvorsteher Lierenfeld entgegnete: „Das glaubt Ihnen in Worringen kein Mensch.“
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