Schriftgröße

ARD will ihr „Tafelsilber“ verscherbeln

Erstellt 24.05.05, 17:58h, aktualisiert 25.05.05, 14:11h

Die pauschale Kürzung der sechs ARD-Politmagazine um 15 auf 30 Minuten wird immer wahrscheinlicher. Die ARD-Programmdirektoren sprachen sich für die Kürzung aus.

'Tagesthemen'
Bild vergrößern
Die „Tagesthemen“ sollen ab 2006 um 22.15 Uhr starten.
'Tagesthemen'
Bild verkleinern
Die „Tagesthemen“ sollen ab 2006 um 22.15 Uhr starten.
Die pauschale Kürzung der sechs ARD-Politmagazine um 15 auf 30 Minuten wird immer wahrscheinlicher.

Auf einer Fernsehprogrammkonferenz sprachen die ARD-Programmdirektoren eine Empfehlung an die Intendanten aus, die pauschale Kürzung vorzunehmen, verlautete aus ARD-Kreisen. Die Intendanten werden Mitte Juni über das Thema beraten und dann eine Entscheidung treffen. Weiter heißt es, dass sich sieben Fernsehdirektoren für die pauschale Kürzung ausgesprochen hätten. WDR und NDR seien dagegen gewesen. Die Überlegungen zur künftigen Sendezeit der Politmagazine waren notwendig geworden, weil die ARD die „Tagesthemen“ ab Anfang nächsten Jahres um 15 Minuten auf 22.15 Uhr vorziehen will. Betroffen sind die Magazine „Monitor“, „Panorama“, „Fakt“, „Kontraste“ sowie „Report Mainz“ und „Report München“.

Unverzichtbare Aufklärung

Die Leiter der politischen Magazine betonen in einer internen Erklärung, dass sie diese Variante für die „schlechteste aller Lösungen“ halten. Schon im Vorfeld hatten sie vor einer einheitlichen Kürzung gewarnt. Der Sendezeitverlust würde die Magazine schwächen, obwohl deren aufklärerisches Potenzial nach wie vor unverzichtbar für das Programmprofil der ARD sei.

Die Magazin-Macher plädieren stattdessen dafür, vier Sendungen jeweils von 45 auf 60 Minuten auszubauen und im Vier-Wochen-Rhythmus zu zeigen. Die übrigen zwei Sendungen sollten dann 30-minütig alle zwei Wochen kommen. Der WDR hatte bereits eine entsprechende Pilotsendung von 60 Minuten ausgestrahlt, um das Format zu testen. „Monitor“-Chefin Sonja Mikich betonte, dass in einer Zeit, da eine Bundestagswahl anstehe und die Republik sich insgesamt veränderte, es im Fernsehprogramm „mehr Hintergrund, nicht weniger“ brauche.

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche kritisiert das Votum der ARD-Programmdirektoren. Deren Haltung sei ein „Schlag gegen den kritischen Hintergrund-Journalismus“. Die ARD verscherbele ihr „journalistisches Tafelsilber ohne Not“. Die Fernseh-Magazine seien Recherche-Oasen und Talentschmieden für den Nachwuchs. Der Kürzung würden jährlich 20 Sendestunden und mindestens 200 gründlich recherchierte Hintergrund-Beiträge zum Opfer fallen. (ddp / dpa / epd)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste