Von ANGELA KÖHLER, 28.05.05, 06:57h
Tokio - Sechs Jahrzehnte hatten sie sich in den Regenwäldern versteckt, von Pflanzen und Kleintieren ernährt, jedes offene Feuer vermieden und nur ab und an in einem Dorf etwas frische Wäsche von der Leine gestohlen. Am Freitag ging nun für die Krieger Ihrer kaiserlichen Majestät Yoshio Yamakawa und Tsuzuki Nakauchi der Zweite Weltkrieg zu Ende. Ein Mitarbeiter der japanischen Botschaft in Manila war eigens auf die südphilippinische Insel Mindanao geflogen, um den beiden amtlich mitzuteilen, dass Nippon schon am 15. August 1945 kapituliert hatte, ihr damaliger Feldherr Kaiser Hirohito längst gestorben ist und seine Tenno-Zeit heute „Leuchtender Frieden“ genannt wird.
Yamakawa, jetzt 87 Jahre alt und sein vier Jahre jüngerer Kampfgenosse wiesen sich als Mitglieder der 30. Division der früheren Kaiserlichen Armee aus. Entdeckt wurden sie von einem Japaner, der auf der Insel Mindanao nach Zeugnissen und sterblichen Überresten gefallener japanischer Soldaten geforscht hatte. Die beiden waren bis heute in ihren Heimatpräfekturen Osaka und Kochi als Kriegsgefallene in die Familienregister eingetragen.
Damit sind immerhin vier ehemalige Kaiserkrieger lange nach Ende der Kampfhandlungen wieder aufgetaucht. Der heute 83-jährige Geheimdienstoffizier Hiroo Onada war 1974 auf der philippinischen Insel Lubang entdeckt worden. Als er nach Japan zurückkehrte, bereitete ihm die Öffentlichkeit einen triumphalen Empfang. Fast das ganze Kabinett hieß ihn damals an der Gangway seines Flugzeuges willkommen. Gefallen hat es Onoda allerdings daheim nicht sonderlich. Ein Jahr später wanderte er nach Brasilien aus.
Traditionelles Pflichtgefühl
Der andere kämpfende Krieger namens Shoichi Yokoi hatte sich 1972 auf Guam, heute einer zu den USA gehörenden sehr beliebten Ferieninsel der Japaner im Pazifik, ergeben. Auch er kehrte zurück und starb 1997 als Militärrentner.
Noch ist nicht bekannt, ob die beiden jetzt entdeckten Veteranen vom Kriegsende wussten oder einfach nur treu zur Fahne hielten. Ihr Vorgänger Onoda hatte als Grund seines Verhaltens „Giri“ genannt. Damit bezeichnen die Japaner ein schwer zu definierendes traditionelles Pflichtgefühl. Ohne Giri ist bis heute eine berufliche Karriere in Japan so gut wie undenkbar. Leutnant Onoda sagte, er habe weiter gekämpft, weil er keinen anders lautenden Befehl seines Kommandeurs gehört habe. „Anonymen Rundfunknachrichten“ habe er deshalb niemals Glauben geschenkt.
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