Von THOMAS KÄDING, 03.06.05, 19:35h
Es wurde spät am Donnerstagabend in der Verhandlungskommission bei Lanxess. Am Freitag ließen Vorstand und Betriebsrat die Katze aus dem Sack: In Bayers Chemie-Ausgründung fallen nicht die angedrohten 1200, sondern insgesamt nur 960 Jobs weg, der Abbau dauert bis Ende 2007 und soll ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen. Dafür werden alle gut 7000 Tarif-Mitarbeiter von Lanxess ab 1. Juli nur noch 35 Stunden in der Woche arbeiten, also zweieinhalb weniger als bisher. Das kostet sie 6,7 Prozent ihres Bruttogehalts. Lanxess spart bis Ende 2007 allein damit insgesamt 55 Millionen Euro an Löhnen.
Zusätzlich wird die übertarifliche Prämie um bis zu ein Prozent gekürzt. Auch Leitende Angestellte und Vorstand beteiligen sich an der Finanzierung, indem sie auf Teile ihrer Erfolgsprämien verzichten. Die Kürzung liegt hier zwischen zwei und siebeneinhalb Prozent, berichtete der Betriebsrat. Insgesamt trügen die Arbeitnehmer rund 40 Prozent des Sparpakets, das ab 2008 ein Volumen von 100 Millionen Euro jährlich haben wird, sagte Personalvorstand Martin Wienkenhöver dem „Leverkusener Anzeiger“.
Die Unternehmenseinheit Feinchemie, in der in Leverkusen 1500 Personen arbeiten, wird ausgegliedert, bleibt aber vorerst 100-prozentige Tochter von Lanxess. Der Stellenabbau fällt geringer aus als geplant: Auch Ende 2007 sollen noch 1300 bis 1500 Menschen dort arbeiten, außerdem werden sicher 50, bis 2010 vielleicht sogar 100 Millionen Euro investiert. Die Schließung von Betrieben stehe dennoch auf der Tagesordnung, betonte Vorstandschef Axel Heitmann.
Insgesamt aber schaffe Lanxess die Voraussetzungen dafür, dass die Feinchemie wieder auf die Beine komme, ergänzte Wienkenhöver. Im Moment sei die Einheit jedoch „nicht partnerfähig“, ein Verkauf oder eine Beteiligung nicht denkbar. Die Ausgliederung mache dennoch Sinn, weil sich das Geschäft in der Feinchemie „deutlich von den anderen Bereichen im Unternehmen unterscheidet“: Hier würden exklusive Lösungen für einzelne Kunden entwickelt. In Zukunft soll sich die Feinchemie verstärkt um neue Abnehmer bemühen. Auch für die Kunstharz-Sparte fanden die Kontrahenten eine Lösung: Sowohl in Dormagen und Leverkusen als auch im spanischen Tarragona wird weiter produziert. Die deutschen Standorte verlieren etwa 260 ihrer 380 Stellen, in Spanien wird weniger abgebaut. Während Vorstandschef Heitmann den Kompromiss als „mutig“ bezeichnete, zeigten sich Betriebsratschef Erhard Gipperich und Verhandlungsführer Thomas de Win weniger euphorisch. Die Auseinandersetzungen mit Lanxess hätten eine neue Qualität erreicht, Heitmann neige dazu, „penetrant an seiner einmal gefassten Meinung festzuhalten“, so Gipperich.
Wirtschaft Seite 13
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