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Glücksbringer als Pechvogel

Von SUSANNE HENGESBACH, 06.06.05, 00:27h, aktualisiert 06.06.05, 20:58h

Karl Josef Hamacher ist Schornsteinfeger und sollte daher normalerweise ein Glückspilz sein. Doch seit kurzem verfolgt ihn eine Pechsträhne. Ein Unglück folgt dem nächsten.

Bild: Rakoczy
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Schornsteinfeger Karl Josef Hamacher.
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Schornsteinfeger Karl Josef Hamacher.
<>Normalerweise kommt er im schwarzen Anzug daher. Mit Goldknöpfen, „an denen immer alle drehen wollen“. Und er trägt ein Käppi, auf dem steht: „Zum Glück gibt's den Schornsteinfeger.“ Aber diese Kopfbedeckung wäre im Moment eher unpassend; denn sein linker Arm steckt komplett in Gips, und er selbst fühlt sich weniger als Glücksbringer, den sonst alle in ihm sehen, sondern als Pechvogel in Person.

„Am 28. April fing das Übel an“, erzählt Karl Josef Hamacher, „da stellt meine Frau Marion morgens fest, dass das Auto nicht mehr vor der Tür steht.“ „'Nen elf Jahre alten Renault, so was klaut doch keiner!“ lautet seine Reaktion, doch er irrt sich. Ergo fährt der Schornsteinfeger direkt von der Arbeit in Pulheim mit seinem Motorroller in Richtung Bezirksrathaus Lindenthal, als ihn in Höhe Kerpener Straße ein Lieferwagen ungebremst erwischt und zwar so, dass das Zweirad im Kühlergrill stecken bleibt und samt Fahrer auf ein anderes Auto geschoben wird. „Es hat einen Mordsschlag getan“, erinnert sich Hamacher. Per Rettungswagen wird er ins Krankenhaus Weyertal verfrachtet. „Och, dat is 'ne Handwerker, die fallen nich' so schnell in Ohnmacht“, habe einer der Sanitäter gescherzt. Und auch auf der Station, wo ein Schleudertrauma und Prellungen diagnostiziert werden, herrscht eitel Freud über den Unglücksraben in Schornsteinfeger-Montur.

Nach zehn Tagen kann er wieder arbeiten. Die Versicherung hatte anerkannt, dass er schuldlos war und ihm den Zeitwert des demolierten Rollers angewiesen, so dass er flugs bei einem günstigen Angebot zugreift. Die letzten elf Jahre sei er rund 90 000 Kilometer unfallfrei gerollt - bei Wind und Wetter - warum, bittschön, sollte das künftig anders sein? Am 18. Mai meldet er sein Gefährt an, ist grad mal 150 Kilometer gefahren, als am 25. Mai weiteres Unglück naht; diesmal in Gestalt einer Frau am Steuer.

Er soll für seinen Chef ein Dokument aus dem Büro holen, da geschieht es: „Ich will von der Orrer Straße in eine kleine Seitenstraße abbiegen, lasse noch einen Fahrradfahrer vor; merke, dass jemand hinter mir ist, und dieser jemand fährt plötzlich volle Kanne auf mich drauf! Der Roller saust in freier Schussfahrt 20 Meter weiter, und ich rutsche hinterher!“ Er habe noch versucht, sich mit dem Arm abzubremsen, „aber das war wohl nicht so gut“, bemerkt der 46-Jährige und streicht über seinen Gips. Die Unfallverursacherin sei durch ihr Baby auf dem Rücksitz abgelenkt gewesen, erklärt der Schornsteinfeger. Dann wiederholt sich ein bereits bekanntes Muster: Rettungswagen, Mordsgaudi wegen seines Outfits, Krankenhaus, Diagnose: Armbruch und Prellungen.

Zur Polizei sagt er: „Sie müssen dringend meinem Chef Bescheid geben, der wartet auf mich!“ Doch als die Beamten nach Pulheim kommen und den verunglückten Mitarbeiter melden, schüttelt der Chef nur den Kopf und sagt: „Wieso kommen Sie jetzt? Das war doch vor drei Wochen!“



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