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Filmkulisse Oberberg ist gefragt

Von ARND GAUDICH UND SABINE EISENHAUER, 08.06.05, 07:18h

Gummersbach - Die Provinz ist gefragt: Schauspieler Jürgen Vogel dreht bei Gimborn „Emmas Glück“ - und Götz George verliebte sich in Dieringhausen.

Die Provinz ist gefragt: Schauspieler Jürgen Vogel dreht bei Gimborn „Emmas Glück“ - und Götz George verliebte sich in Dieringhausen.

Gummersbach - „Benjamin ist der heimliche Star am Set“, sagen Marie und Martin Thiemich. Ihr Bauernhof liegt in Recklinghausen, zwischen Gimborn und Berghausen. Seit zweieinhalb Wochen wird dort der Kinofilm „Emmas Glück“ gedreht. Und wenn die Familie am Drehort vorbeischaut, gilt dem fünf Monate alten Säugling die ganze Aufmerksamkeit der Hauptdarsteller Jürgen Vogel und Jördis Triebel.

Eigentlich wollten die Thiemichs schon längst in das Gehöft eingezogen sein. Doch als im Januar die Firma „Wüste Film“ fragte, ob sie hier den Roman von Claudia Schreiber verfilmen dürften, wurde die Renovierung kurzerhand unterbrochen. Nun sind in dem alten Bauernhof rund 30 Tonnen Filmausrüstung verteilt.

Tiere mitgebracht

Überall stehen Scheinwerfer, Stative - und im angrenzenden Stall quieken ein Dutzend Schweine vergnügt vor sich hin. „Sogar die Tiere haben die Filmleute mitgebracht“, sagt Thiemich, „aber die Kühe auf den Weiden gehören uns.“ Jürgen Vogel - er ist im Kinofilm der krebskranke Max - ergänzt: „Die Hühner sind die einzige Lokalbesetzung.“ Emma-Darstellerin Triebel spielt das erste Mal in einem Kinofilm - und mit einer Herde Schweinen: „Ich hab noch immer richtig Lampenfieber bei den Drehs. Mit den Schweinen ist die Arbeit am leichtesten.“ „Aber die sind Männern auch sehr ähnlich“, beruhigt Vogel seine Kollegin.

Schreiber hat ihren Roman über zwei Jahre umgeschrieben, bis er für den Dreh geeignet war. Für sie ist Oberberg der ideale Drehort: „Hier können die Kameras das Gefühl, das der Roman vermitteln soll, perfekt einfangen.“ Eine lokale Färbung solle der Film allerdings nicht haben, das Oberbergische sei nur Kulisse, so Regisseur Sven Taddicken. „Denn eigentlich befinden wir uns im tiefsten Hessen“, verrät Triebel. Die hiesigen Wetterkapriolen stören die Filmcrew nicht. Wenns nicht gerade in Strömen gießt, wird draußen gedreht. „Bei den meisten Szenen ist es egal, ob die Sonne scheint“, sagt Taddicken.

25 Drehtage hat „Wüste Film“ für die Szenen im und am Bauernhof angesetzt. Auch die Sequenzen außerhalb des Hofs werden in der Region gedreht. So werden die Kinozuschauer ab 2008 - dann soll der Film anlaufen - die Klinik Attendorn, das Autohaus Ley in Derschlag, das Rathaus Marienheide und die Ortschaft Dannenberg zu sehen bekommen. Laut Drehplan wird Jürgen Vogel in Dannenberg am 3. Juli seinen Ferrari in einen Misthaufen setzen.

Die Chancen, dass auch einige Oberberger auf die Leinwand kommen, stehen nicht schlecht: Für eine Sequenz in Rönsahl wird „Wüste Film“ noch Komparsen suchen.

Oberberg diente gestern noch für einen anderen Film als Kulisse: Aus Dieringhausen wurde Selmkirchen. Dieser Ortsname prangte auf einem Schild über den Schienen des Bahnhofs. Hier stieg mittags um 12.28 Uhr im Licht der Scheinwerfer der Schauspieler Götz George aus der Regionalbahn. „Später Sommer“ heißt der Fernsehfilm, den die Firma Colonia-Media im Auftrag des WDR einen Tag lang in Dieringhausen drehte.

Es war der erste Drehtag dieser Produktion - und vielleicht waren die Mitarbeiter deswegen angespannt. Denn das Fotografieren der Dreharbeiten auf dem Bahnsteig ließen Produktionsleitung und Pressebetreuerin Birgit Fehrenkämper (WDR) nicht zu. Und nur ungern und ziemlich genervt ließ sich George vor dem Dieringhausener Bahnhofsgebäude ablichten.

Laut Pressetext des WDR spielt er in dem Film einen „vom Leben gezeichneten Gewerkschaftsfunktionär“. Ort der Handlung ist ein Zementwerk in der Provinz - eben in Selmkirchen. Die sensible und melancholische Liebesgeschichte begebe sich mitten hinein in das vom wirtschaftlichen Niedergang bedrohte Arbeitermilieu, so der WDR. Dieser Szenerie schien das Ambiente des Dieringhausener Bahnhofs gut zu entsprechen. „Passend zur Geschichte sieht er wohl provinziell und romantisch genug aus“, meinte Kurt Bingel von der Abteilung Kommunikation der Deutschen Bahn in Frankfurt.

Ein wenig zurecht gemacht wurde der Dieringhausener Bahnhof allerdings schon noch: Bereits morgens um 6.45 Uhr wurde das ehemalige Aufsichtshäuschen zwischen den Gleisen in einen Kiosk verwandelt. Und dafür lieh sich das Filmteam von Kioskbesitzer Udo Seiffert die notwendigen Utensilien aus. Seine Zigaretten, Zeitungen und sogar die aufblasbare Colaflasche wurden von der Bahnhofshalle die Treppen hinauf und neben die Schienen geschleppt.



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