Der neue Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, leistet im Plenum des Landtages in Düsseldorf seinen Amtseid.
Der neue Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, leistet im Plenum des Landtages in Düsseldorf seinen Amtseid.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Der neue nordrhein-westfälische
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wird - wie die rot-grüne
Vorgängerregierung - mit elf Ministern regieren. In dem am Donnerstag
vorgestellten Kabinett besetzt die CDU neun Posten, die FDP zwei.
Ähnlich wie in Schleswig-Holstein wird die Kultur an die
Staatskanzlei angedockt.
Noch vor der Sommerpause will Rüttgers am 13. Juli im Düsseldorfer
Parlament eine Regierungserklärung abgeben. "Das Land hat Probleme,
deshalb soll es direkt losgehen", sagte er an seinem ersten
Arbeitstag in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Trotz des neuen
Spitzenamtes wolle er "noch sehr lange" Vorsitzender der NRW-CDU
bleiben, betonte Rüttgers. "Damit das, was beschlossen ist,
einfließt in Regierungshandeln."
Ein "Superministerium" für Arbeit und Wirtschaft wird es bei
Rüttgers nicht mehr geben. Stattdessen wird der bisherige CDU-
Bundestagsabgeordnete Karl-Josef Laumann (CDU) ein Ministerium für
Arbeit, Gesundheit und Soziales leiten. "Er soll sich besonders darum
kümmern, dass alle jungen Leute, die können und wollen, eine
Lehrstelle bekommen", sagte Rüttgers.
Seinem Kabinett werden drei Frauen angehören: Christa Thoben als
Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, die Gütersloher
Schulamtsdirektorin und fünffache Mutter Barbara Sommer als
Schulministerin sowie die Vorsitzende des Richterbunds NRW, Roswitha
Müller-Piepenkötter (alle CDU), als Justizministerin. Für Frauen wird
erstmals in der Landesgeschichte ein Mann als Minister zuständig
sein: Der CDU-Europa-Abgeordnete Armin Laschet wird Minister für
Generationen, Familie, Frauen, Integration.
Zum Minister für Bau und Verkehr berief Rüttgers den früheren CDU-
Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, Oliver Wittke. Der Landwirt und
Agrarexperte der CDU-Landtagsfraktion, Eckhard Uhlenberg, wird
Minister für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz. Für Bundes- und Europaangelegenheiten wird der
bisherige Haushaltsexperte der Landtagsfraktion, Michael Breuer,
zuständig sein.
Bereits seit längerem stand die Ernennung des früheren CDU-
Fraktionschefs Helmut Linssen zum Finanzminister fest. Der FDP-
Landesvorsitzende Andreas Pinkwart wird Vize-Regierungschef und
Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Der
bisherige FDP-Fraktionschef Ingo Wolf wechselt an die Spitze des
Innenministeriums. Ihm wird ein Parlamentarischer Staatssekretär aus
CDU-Reihen zur Seite gestellt: Der Landtagsabgeordnete Manfred Palmen
erhält eine besondere Zuständigkeit für die anstehende
Verwaltungsstrukturreform und für Sport.
Der Düsseldorfer Schul- und Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-
Brockhoff wird Chef der Staatskanzlei und Kultur-Staatssekretär. Kein
Ministeramt erhält der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer der
CDU-Landtagsfraktion, Helmut Stahl, der maßgeblich an der Aushandlung
des schwarz-gelben Koalitionsvertrags mitgewirkt hat. Rüttgers will
seinen früheren Staatssekretär im Bundesbildungsministerium am
Dienstag als seinen Nachfolger an der Spitze der CDU-Fraktion
vorschlagen.
Mit Spott kommentierte die SPD-Oppositionsführerin im Landtag,
Hannelore Kraft, das neue Regierungsteam. "Das ist ein wahres
Schattenkabinett - no names und keine Regierungserfahrung", meinte
die Ex-Forschungsministerin. "Die CDU-Spitzenspieler aus der ersten
Liga wollten nicht in den Rüttgers-Club." In seinem Kabinett bringe
nur der Chef als "gescheiterter Minister im Bund" Regierungserfahrung
mit.
Als Aufbruchsignal begrüßten der Deutsche Richterbund (DRB) NRW
und der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands die Berufung
Müller-Piepenkötters. Sie soll nach Rüttgers Worten dafür sorgen,
"dass die Menschen so schnell wie möglich zu ihrem Recht kommen". Als
Ministerin erhalte die 55-Jährige nun die Gelegenheit, die
Personalkürzungen zu beenden und Reformen durchzusetzen, so der DRB.
Am Freitag wird Rüttgers seinen Ministern offiziell die
Ernennungsurkunden verleihen; die Vereidigung im Parlament ist für
den 6. Juli vorgesehen.