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„Jeder ist schön“

Von ANJA KATZMARZIK, 28.06.05, 17:25h, aktualisiert 28.06.05, 19:06h

Kunst als Kritik am Jugendwahn der schwulen Szene. Eine Ausstellung zum Christopher Street Day transportiert politische und private Botschaften.

Bild: Rakoczy
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„Jeder ist schön” heißt eine Arbeit des Berliner Malers und Installationskünstler Martin von Ostrowski.
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„Jeder ist schön” heißt eine Arbeit des Berliner Malers und Installationskünstler Martin von Ostrowski.
„Das Leben der infamen Menschen“ beschrieb Michel Foucault 1977. Aber, dass es jetzt schon die Kölschgläser erwischt hat? Kaum vorstellbar, und doch wahr, besucht man die erste Kunstausstellung zum CSD-Vorprogramm Colognepride in der Galerie am Buttermarkt.

Da stapeln sich angelehnt an das CSD-Motto „lebenslang liebenswürdig“ die Stangen im Fenster - anklagend vom Glasgraveur und Ausstellungsinitiator Ulrich Eichhorn verziert. „Verblüht“, „verwelkt“, „vergangen“ und andere unschöne Worte stehen da, die viele gebrauchen, aber über sich selbst nie hören wollen. Die Gläser mit dem Titel „Infam“ können sogar erworben werden - als Erinnerung daran, dass diese Begriffe oft zu lässig und unbedacht benutzt werden.

Im Schaufenster nebenan behauptet der Berliner Maler und Installationskünstler Martin von Ostrowski „Jeder ist schön“ - natürlich mit einer ausgesprochen schönen Arbeit ... - und setzt damit ebenfalls eine deutliche Kritik am Jugendwahn vor allem in der schwulen Szene. Er will einen deutlichen Kontrapunkt zur Kommerzialisierung und Gedankenlosigkeit der schwul-lesbischen Feiertage setzen. „Jetzt ist es an uns Künstlern, für Inhalte zu sorgen.“ Und so endet die Sehnsucht nach Geborgenheit bei Sven Giessmann in einer Lebenslüge aus Wäscherack und Hollywoodschaukel.

Es ist eine überwiegend männliche Ausstellung, sieht man etwa von den Arbeiten Gerda Laufenbergs ab, die ironisch die „Kölner Hochzeit“ samt Braut mit Bartstoppeln sieht - ganz in Weiß, versteht sich. Es sind auch sehr persönliche Botschaften, die Thema werden wie bei den Kindheitsbildern von Paul Kremp oder dem Fotografen Jörg Simon, der mit seinen zum Teil verätzten Selbstporträts seine HIV-Infektion verarbeitet. Die Ausstellung ist bis zum 3. Juli donnerstags bis sonntags (15 bis 20 Uhr) geöffnet.

Am CSD-Sonntag mit der Parade (3. Juli) gibt es im Ausstellungsraum Jürgen Bahr (Ausstellungseröffnung mit Zeichnungen von Georg Meyer-Wiel: 24. 6., 17-23 Uhr), Helmholtzstr. 6-8 (Ehrenfeld), ab 11 Uhr ein Kunst-Brunch und um 15 Uhr in der Galerie am Buttermarkt 23 (Altstadt) die Performance „Table Dance“ von Angelica Schubert.

 www.sommerblut.de



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