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Ein „Aachener Engel” für Bayer

Von CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 20.07.05, 20:30h, aktualisiert 21.07.05, 08:31h

Bayer-Chefcoach Augenthaler traut Neuzugang Simon Rolfes aus Aachen in Leverkusen noch einiges zu. Das Trainingslager in der Schweiz endet ohne Gewinner und Verlierer.

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Mittelfeldspieler mit Perspektiven: Simon Rolfes
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Mittelfeldspieler mit Perspektiven: Simon Rolfes
St. Gallen - Spät am Dienstagabend noch hat Klaus Augenthaler sein Team zur Vollversammlung in einen Saal des Mannschaftshotels gebeten, der Trainer hatte unter dem Eindruck der 2:3-Niederlage gegen den Schweizer Zweitligisten FC Wil Mitteilungsbedarf. Dass Leverkusen ohne sieben gedachte Stammspieler (Berbatow, Woronin, Freier, Schneider, Juan, Roque Junior, Fritz) Probleme bekommt, war zu erwarten. Umso schwerer fällt die Standortbestimmung nach den Tagen von St. Gallen - nach drei Niederlagen in Folge gegen Gegner unterschiedlichsten Kalibers: Legia Warschau, FC Liverpool und Wil. Selbst ein interner Vergleich ist kaum möglich, wenn die Besten fehlen. Der Trainer hält sich bedeckt. „Wenn ich sagen würde, es gibt Gewinner des Trainingslagers, dann heißt das ja, es gebe auch Verlierer“, sagt Augenthaler und deshalb nichts dazu.

Der Coach reist mit der Erkenntnis ab, dass der Klub viele talentierte Nachwuchsspieler hat, von denen keiner eine solche Ausnahmebegabung ist wie Gonzalo Castro (18), den sie ja schon als vollwertigen Profi mitzählen. Augenthaler geht mit dem Wissen in den Ligacup, dass er mit seinem neuen Abwehrmann Athirson noch die eine oder andere Diskussion über Zweikampfverhalten und Stellungsspiel führen muss. Und er weiß, dass er mit Simon Rolfes einen viel versprechenden Mann für die neue taktische Ausrichtung der Mannschaft gefunden hat. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er scheint den Sprung aus der Zweiten Liga zu packen und setzt es sehr gut um“, sagt Augenthaler. Weil der Trainer sein Team in der Defensive für die neue Saison etwas kompakter stellen wollte, wird Bayer 04 als taktische Grundausrichtung mit zwei Mittelfeldspielern vor der Abwehr agieren. Der Mann hinter den Spitzen, im letzten Jahr meistens der abgewanderte Robson Ponte, wird nach hinten gezogen. Einer dieser beiden Mittelfeldspieler kann Rolfes sein. Die Nummer sechs, den Klassiker für diese Position, darf er schon tragen. „Die Position ist bei Bayer 04 neu geschaffen, und bis jetzt noch relativ frei. Wir haben noch keine feste Person dafür gefunden. Dafür haben sie mich geholt und dafür bin ich da“, sagt der 23-Jährige, um den Bayer 04 im Frühjahr hart pokern musste. Hannover 96, der HSV und auch der 1. FC Köln boten mit. „Am Ende hatte Bayer das beste Gesamtpaket“, sagt Rolfes. Aachen kassierte 750 000 Euro Ablöse, Rolfes unterschrieb für drei Jahre bis 2008 - es stimmte die Mischung aus Gehalt, sportlicher Perspektive und räumlicher Nähe zu Aachen. Dort absolviert seine Freundin noch ein Jahr lang eine Ausbildung, Rolfes selbst ist in einer Aachener Wohltätigkeitsorganisation für Krebspatienten („Aachener Engel“) aktiv.

Rolfes, der bis zur B-Jugend beim TuS Recke spielte, wollte eigentlich schon bei Werder Bremen den Durchbruch schaffen. Doch in drei Jahren bei den Profis an der Weser wurde er zwar Meister und Pokalsieger 2004, kam aber nicht zum Einsatz. Als Titel zählt er sie trotzdem: „Auch die Nummer 22 gehört dazu und muss Gas geben, damit die Nummer eins sich verbessert.“ Als er mit Werder auf dem Rathausbalkon jubelte, stand der Wechsel zu Alemannia Aachen schon fest. Aus dem vermeintlichen Rückschritt wurde ein Sprung nach vorn. „Ich war absoluter Stammspieler, konnte Erfahrungen im Uefa-Cup gegen Spitzenmannschaften sammeln. Im Nachhinein betrachtet, hat es mir für meine Entwicklung geholfen, dass ich dahingegangen bin.“ Für die neue Rolle in Leverkusen bringt der vielfache Junioren-Nationalspieler Ballsicherheit und Übersicht mit, außerdem ist er einigermaßen beidfüßig. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nannte ihn sogar schon einen „Mini-Ballack“: „Er könnte bei uns eine ähnliche Entwicklung machen wie Michael, der als relativ unbekannter Spieler zu uns kam und hier eine Riesenkarriere gestartet hat.“



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