Von RAINER SCHMIDT, 29.07.05, 07:21h
„Ich verkaufe nicht meine Person, ich verkaufe nicht meine Partei, ich verkaufe meine Konzepte zu wichtigen Sachthemen“, erklärte gestern der sozialdemokratische Bundestagskandidat für den Wahlkreis 102 Leverkusen / Köln-Mülheim bei einem Pressegespräch. Ausschließlich mit Argumenten wolle er den Wahlkampf bestreiten, Polemik gegenüber den Kandidaten anderer Parteien werde es von ihm nicht geben, persönliche Angriffe schon gar nicht.
Wahlkampf-Themen
Bürgerversicherung, Vorschule, offene Ganztagsschule, die Zukunft der Pflegeversicherung, der Rentenversicherung, Arbeitsmarktreformen und schließlich eine Vision über die Zukunft des Sozialstaats insgesamt. Das sind die Themen, mit denen Lauterbach den Wahlkreis gewinnen will. „Und ich muss ihn gewinnen“, sagt der Kölner Gesundheitsprofessor, „denn ich habe keinen brauchbaren Listenplatz, habe mich auch um keinen bemüht.“
Der Gesundheitsökonom, der zehn Jahre lang in den USA gelebt und geforscht hat, erklärt, warum er jetzt auch offiziell in die Politik gehen will: „Alles was wir erforschen, hat politische Folgen“. Deshalb sei er in den letzten Jahren immer mehr zum Berater von Politikern geworden, zunächst bei Andrea Fischer, der früheren grünen Bundesgesundheitsministerin und jetzt bei der aktuellen sozialdemokratischen Amtsinhaberin Ulla Schmidt. So sei er immer mehr ins politische Geschäft gekommen, insofern halte er es für konsequent, jetzt auch ganz offiziell in die Politik zu gehen.
In amerikanischen Büchern hat Lauterbach sich über Wahlkampfstrategien schlau gemacht, und manches übersetzt er wörtlich: Was andere vielleicht Basisarbeit oder Klinkenputzen nennen, heißt bei ihm Bodenkrieg. In vermutlich dennoch friedlicher Absicht will der Kandidat auf die Wähler zugehen und sich nicht darauf verlassen, dass sie seine Veranstaltungen besuchen. Vereine, Gartenfeste, Kirmesplätze, niemand soll in den nächsten acht Wochen vor ihm sicher sein. Gleich heute will sich Lauterbach auf der Opladener Kirmes zeigen.
Auf die Frage, ob er sich in Leverkusen auskenne, reagiert der Kandidat leicht gereizt. „Ich kenne den Wahlkreis besser, als mir immer unterstellt wird.“ Das ärgere ihn. „Ich kenne fast jedes Krankenhaus“, sagt er, und zudem seien seine Themen auch für die Menschen in Leverkusen von größter Bedeutung. Auf die Wahlkreisarbeit freue er sich. Es sei doch ein Vorteil, wenn ein Wissenschaftler seine Ideen in Gesprächen an der Basis testen könne.
Neben der Basisarbeit bedarf es natürlich auch prominenter Namen aus Berlin. Der SPD-Spitze sei klar, dass Leverkusen /Köln-Mülheim ein Schlüsselwahlkreis sei und gewonnen werden müsse. Der Leverkusen-Auftritt von SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter ist bereits fest für den 9. August terminiert. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird kommen, und Ottmar Schreiner wird Leverkusen ebenso besuchen wie Peer Steinbrück. In Köln-Mülheim bietet Lauterbach zudem Renate Schmidt, Franz Müntefering und Siegmar Gabriel auf. Keiner der Berliner Spitzengenossen habe ihm „Nein“ gesagt. „Alle, die ich gefragt habe, kommen auch.“
Wenn das stimmt, dann hat er den Bundeskanzler nicht gefragt. „Das ist richtig“, bestätigt Karl Lauterbach.
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