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Werk und Wandel

Von CHRISTIAN HÜMMELER, 30.07.05, 07:03h

In Dresden findet die Jubiläums-Ausstellung zum Denkmalschutz in Deutschland statt. Erfolge, Probleme und Visionen sind in der sehenswerten Ausstellung „Zeitschichten“ aufzufinden.

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Besucher betrachten im Dresdner Schloss colorierte Aufrisse des Kölner Doms aus dem Besitz von Goethe
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Besucher betrachten im Dresdner Schloss colorierte Aufrisse des Kölner Doms aus dem Besitz von Goethe
Bild: Zeitschichten
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Kolorierter Fassadenriss des Kölner Doms.
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Der Ort der Ausstellung ist gleichzeitig Exponat, und nicht das unwichtigste: Das Dresdner Residenzschloss am Elbufer, im Krieg zerstört und seit Jahrzehnten im Wiederaufbau, beherbergt mit der Ausstellung „Zeitschichten“ die größte Retrospektive zur Denkmalpflege in Deutschland seit vielen Jahren. Dass sich die Denkmalschützer mit Ort wie mit dem Anlass - vor 100 Jahren gab Georg Dehio erstmals das „Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler“ heraus, als „Dehio“ bis heute Standardwerk - selber feiern, ist legitim, reicht doch ein Blick aus dem Fenster des Schlosses auf Semperoper und Zwinger, um die vitale bewusstseinsbildende, aber auch ökonomische Bedeutung von Denkmälern für eine Stadt, für ein Land zu ermessen.

Die vielfältigen Spannungen, denen die Denkmalpflege dabei unterliegt, werden in der sehenswerten, von Ingrid Scheurmann kuratierten Ausstellung keineswegs verschwiegen, sondern gleich zu Beginn an einem zentralen deutschen Bauwerk, dem Brandenburger Tor, verdeutlicht. Bilder und Modelle, aber auch die im Kriegsjahr 1942 angefertigten Gipsabdrücke der Quadriga-Figuren zeigen, wie verschiedene Regime zu verschiedenen Zeiten ein und dasselbe Denkmal für sich vereinnahmten.

Diese Ausstellung will zum Denken, zur Diskussion anregen. Etwa über den Umgang mit den Repräsentationsbauten untergegangener oder umgezogener Regierungen, dem Palast der Republik in Berlin - vertreten durch Gestühl aus dem Plenarsaal - oder den Bundesbauten in Bonn, an die unter anderem die linke Kralle des von Ludwig Gies entworfenen Bundesadlers aus dem ersten Bonner Bundestag erinnert.

Die eindrucksvollsten unter den mehr als 1000 Exponaten führen indes an die Ursprünge der Denkmalpflege zurück: Zwei kolorierte, annähernd vier Meter hohe Risse, die die Westfassade des Kölner Domes zeigen, stammen aus dem Besitz Johann Wolfgang von Goethes, der sie nach dem zu Anfang des 19. Jahrhunderts aufgefundenen mittelalterlichen Fassadenplan anfertigen ließ. Beide Risse werden erstmals gezeigt - sie waren bei den Recherchen zur Ausstellung im Depot der Stiftung Weimarer Klassik aufgefunden worden. Goethe nutzte sie zum Studium des Doms, er wollte den Kern und die Substanz des Baus erfassen - eine Einstellung, die den Beginn eines Deutungswandels markiert, nämlich den Abschied vom bis dahin vorherrschenden, national geprägten Denkmalpathos.



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