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„Öffne meine Augen”: Rituale der Liebe und Gewalt

Von JESSICA DÜSTER, 04.08.05, 07:22h

Antonio und seine Frau Pilar haben ein seltsames Ritual: Aus Liebe schenken sie sich die eigenen Körperteile. Mit dem Ehedrama "Öffne meine Augen" schuf Iciar Bollain ein cineastisches Meisterwerk, mit dem sie sieben "Goyas" gewann.

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Laia Marull als Pilar (l.) und Luis Tosar als Antonio in "Öffne meine Augen"
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Laia Marull als Pilar (l.) und Luis Tosar als Antonio in "Öffne meine Augen"
Meisterwerk: Das Ehedrama „Öffne meine Augen“ gewann sieben „Goyas“.

Als er einst um ihre Hand anhielt, schenkte er ihr in einem symbolischen Akt seine eigenen Hände. Hände - das ist die bittere Ironie -, mit denen Antonio (Luis Tosar) seine Frau Pilar (Laia Marull) in den folgenden Jahren immer wieder brutal schlagen wird. Dennoch bleibt das „Verschenken“ von Teilen des eigenen Körpers ein festes Ritual, mit dem die Eheleute sich gegenseitig ihre Liebe versichern. Eine zerstörerische Liebe, die aus Bedürftigkeit und Angst erwachsen ist.

Spürbar wird dies bereits in den ersten Minuten, als Pilar hastig mit wenigen Habseligkeiten und ihrem kleinen Sohn die Wohnung verlässt und zu ihrer jüngeren Schwester Ana (Candela Peña) flieht. Ihre inneren und äußeren Wunden, gerissen im Scherbenhaufen ihrer Ehe, hält Pilar jedoch versteckt. Zwar beginnt sie zaghaft, sich in einem unabhängigen Leben mit Job und Freundinnen einzurichten, doch kehrt sie immer wieder zu dem Mann zurück, dem sie Muskelfaserrisse, Sehstörungen und seelische Narben zu verdanken hat.

Warum bleibt eine Frau mit einem Mann zusammen, der sie schlägt? Warum bestehen diese Frauen oft noch darauf, dass sie ihren Mann lieben? Solche Fragen hatten Iciar Bollain beschäftigt, als sie ihren dritten Spielfilm vorbereitete. In „Öffne meine Augen“ hütet sich die Regisseurin davor, einfache Antworten auf ein komplexes Phänomen zu geben. Selten kam ein Ehedrama in die Kinos, das einem als Zuschauer so umfassend die Augen öffnet, wie häusliche Gewalt entsteht. Neben dem realistischen Stil der Regie, die zudem Pilars Schicksal elegant mit der Kunstgeschichte verknüpft, ist dies vor allem das Verdienst der großartigen Schauspieler in diesem mit sieben spanischen Filmpreisen („Goyas“) prämierten Meisterwerk. So sieht man Laia Marulls Pilar von einer anfangs fast durchsichtigen zu einer äußerst präsenten Frau heranreifen, während sich die Angst in Luis Tosars Augen simplen Polarisierungen widersetzt.



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