Von JAN SCHLIETER, 11.08.05, 07:27h
Es verwundert schon, dass es über 30 Jahre gedauert hat, bis mit „Inside Deep Throat“ der erste Dokumentarfilm über den berühmtesten Porno der Kinogeschichte gedreht wurde. Schließlich gibt es einiges über den 1972 gedrehten Amateurstreifen „Deep Throat“ zu erzählen. Er ist bei Kosten von 25 000 Dollar einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, der geschätzte 600 Millionen Dollar einspielte (so genau weiß das aber keiner, weil das meiste Geld die Mafia kassierte). Er ist der erste Film, dessen Hauptdarsteller wegen der Ausübung seines Berufs ins Gefängnis musste. Vor allem aber spaltete er die amerikanische Gesellschaft in den 70er Jahren wie heute die Politik von Bush.
Diese Parallele aufzuzeigen - heute der „Krieg gegen den Terror“, damals der gegen Pornographie - ist das Hauptanliegen der Macher von „Inside Deep Throat“: Konservative Christen kämpfen gegen linke Liberale um das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dabei ist „Deep Throat“ aus heutiger Sicht nur ein harmloser kleiner Film: schlecht geschnitten, unscharf und mit einem albernen Drehbuch.
Die wahre Lust
Er dreht sich um eine Frau, deren Klitoris im Rachen sitzt und die wahre Lust nur bei Fellatio empfinden kann. In der prüden Nixon-Ära war das eine Sensation: „Deep
Throat“ thematisierte zum ersten Mal das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung und war somit für viele Zuschauer ein Verfechter der Gleichberechtigung. Die Regierung wollte den Film dagegen wegen Gefährdung der öffentlichen Moral verbieten lassen - wodurch die Besucherzahlen erst recht stiegen.
„Inside Deep Throat“ ist eine spannende Collage aus Original-Filmszenen, Gerichtsaufnahmen, Interview-Schnipseln und skurrilem Archivmaterial. Mehr als 100 Zeitzeugen erzählen Anekdoten aus der Zeit der so genannten sexuellen Revolution, richtig erklären können sie die Aufregung von damals aber nicht: „Heute wird »Deep Throat« nicht mal mehr für Sex gehalten.“
Einige Feministinnen sahen das anders. Sie betrachteten „Deep Throat“ und Co. als chauvinistische Männerfantasien und gründeten die „PorNo“-Kampagne. Plötzlich wurden Pornos auch von links kritisiert, die alten Fronten weichten auf. Leider kommt diese Entwicklung in der Dokumentation nur oberflächlich zur Sprache. Aber über „Deep
Throat“ lässt sich eben viel erzählen - wahrscheinlich zu viel, um alles in einen Film zu packen.
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