Erstellt 12.08.05, 07:03h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Rückert, ist Pornographie frauenfeindlich?
CORINNA RÜCKERT: Das Genre Pornographie an sich ist nicht frauenfeindlich. Dennoch gibt es natürlich Filme, die frauenverachtend sind.
„Deep Throat“ zum Beispiel?
RÜCKERT: „Deep Throat“ ist zum klassischen Beispiel für die angebliche Frauenverachtung von Pornographie geworden. Für mich ist die ganze Diskussion total lächerlich. Natürlich werden in jedem Porno die Fantasien der jeweiligen Zielgruppe bedient. Und in Filmen für Männer ist das eben Fellatio. Alice Schwarzers „PorNo“-Kampagne behauptete ja: „Pornographie ist sexualisierter Frauenhass.“ Die Kampagne war eine werbewirksame Debatte, die aber keines ihrer Ziele - Abschaffung der Pornographie, Ächtung des Pornographiekonsums - jemals erreicht hat.
Sie hat rein gar nichts bewirkt?
RÜCKERT: Im Gegenteil: Sie verhindert in Deutschland bis heute, dass sich Fraueninteressen in der Pornographie durchsetzen können. Vor allem in den USA hat die Debatte über Pornographie dagegen einen Raum für Frauen geschaffen, die Pornographie produzieren und konsumieren wollen.
Es gibt also ein Interesse von Frauen an Pornographie?
RÜCKERT: Selbstverständlich. Und es ist steigend.
Was ist das Besondere an Pornos, die auch Frauen gefallen?
RÜCKERT: Grundsätzlich gibt es von den Inhalten keinen Unterschied zwischen Filmen, die für Frauen oder für Männer produziert werden. Frauen möchten allerdings gerne etwas drum herum haben, zumindest eine plausible Erklärung, warum es zum Sex kommt. Sie wollen, dass die Story überzeugend ist - oder wenigstens, dass es irgendwie prickelt zwischen den Darstellern. Bei Frauen haben anspruchsvoll produzierte Pornos deshalb eher Erfolg als billige Massenware.
Gibt es dann bald bessere Pornos?
RÜCKERT: Wohl nicht, zumindest nicht in Deutschland. Pornos kriegt man hier nur in Videotheken, Sexshops, Bahnhofsvierteln. Wer anspruchsvolle Filme möchte, geht aber nicht in einen schmuddeligen Laden. Der Versandhandel ist die einzige Chance, um niveauvollere Pornographie durchzusetzen. Solange das in Deutschland verboten bleibt, wird sich das Angebot nicht ändern. Dabei zeigen internationale Versandhäuser, zum Beispiel in der Schweiz, den Niederlanden und den USA, dass es eine große Nachfrage gibt - gerade von Frauen.
Sie wollen also das Versandhandelsverbot aufheben?
RÜCKERT: Ganz genau. Die jetzige Gesetzgebung ist eine einseitige Zensur des weiblichen Geschmacks. Aber auch des männlichen Geschmacks, der sich in eine anspruchsvolle Richtung entwickelt. Das finde ich skandalös.
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