Von STEFANIE JOOß, 04.08.05, 15:49h
Erfinder des freundlichen Schutzmanns ist der Kölner Zeichner Otto Schwalge. Comics über Polizisten zu machen, schwebte ihm schon lange vor. Doch eigentlich sollte „Oskar“, der damals noch gar nicht so hieß, ganz anders aussehen. Einen jungen, stolzen Polizisten, wie der 84-Jährige sie aus seiner Kindheit vor dem Krieg kannte, wollte er zeichnen. „Damals hatten Polizisten noch einen Schnauzer, trugen weiße Handschuhe und saßen hoch zu Ross“.
Die Geburtsstunde des Schutzmannes schlug 1954, als ein auswärtiger Autofahrer Schwalges Wagen rammte. Der Zeichner meldete den Unfall auf der Polizeiwache und traf dort auf Oskars Vorbild: Ein älterer, rundlicher Polizist, der den Unfall mit Geduld und Verständnis aufnahm. So sollte Schwalges Comic-Figur auch aussehen. Er erzählte dem Beamten von seiner Idee - der war begeistert. „Nennen Sie ihn doch Oskar“, riet der Polizist dem Zeichner.
Heute gibt es Oskar nicht nur auf Papier, sondern auch als Puppe, auf Karnevalsorden und als Anstecker. Sogar das Bundesverdienstkreuz erster Klasse hat Schwalge für seine Geschichten über den Schutzmann bekommen. Was nicht jeder weiß: Der Mann, der hinter Oskar steht, kann mehr, als nur freundliche Polizisten zu zeichnen. 27 Jahre lang war der gebürtige Düxer im Karnevals-Festkomitee tätig, lieferte für die Wagen beim Rosenmontagszug Ideen und Entwürfe. Außerdem gestaltet Schwalge jedes Jahr die Sessions-Gläser für die Kölner Sparkasse. Auf diese Weise verlieh er schon Kölner Karnevalsgrößen wie Bernd Stelter, den Eilemännern oder Marie-Luise Nikuta Kölschstangen-Format.
Seine Umwelt zu beobachten und in Zeichnungen festzuhalten, war für Schwalge schon immer ein Bedürfnis. „Schon während meiner Schulzeit habe ich meine Lehrer in Karikaturen durch den Kakao gezogen“, schmunzelt der 84-Jährige.
Nach der Schule arbeitete Schwalge in einer Agentur. „Ich musste dort Autos und Lkws zeichnen, aber die Mitarbeiter merkten schnell, dass das nicht das Richtige für mich war.“ So ging Schwalge mit seinem Vater zu einem Professor der Kölner Werkschule. Der attestierte dem Jungen Talent. Fortan lernte Schwalge sein Handwerk an der Werkschule von der Pike auf. „Jeden Dienstag gingen wir mit dem Professor in den Zoo und zeichneten die Tiere.“
Drei Semester studierte Schwalge an der Werkschule, dann machte der Zweite Weltkrieg ihm im Jahr 1940 einen Strich durch die Rechnung. Nach seinem Dienst als Soldat und kurzer Kriegsgefangenschaft in Tschechien kehrte Schwalge 1947 nach Köln zurück.
Dort wollte er sein Studium an der Werkschule fortsetzen. „Was können Sie denn?“, fragte der Professor, als Schwalge sich bewarb, doch der Zeichner hatte nichts vorzuweisen. Seine im Studium angefertigten Zeichnungen waren alle im Krieg verbrannt oder verloren. So drückte der Professor dem jungen Mann drei Kastanien in die Hand: „Wenn Sie die zeichnen können, dürfen Sie bei uns weiterstudieren.“ Das Bild von den Kastanien hat Schwalge heute noch.
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