Von JOCHEN LORECK, 17.08.05, 07:00h
Berlin - Der harte Kern des Rechtsextremismus ist jung, männlich und schlecht ausgebildet. Zunehmend gelingt es jedoch der rechtsradikalen NPD, über dieses Kern-Milieu hinaus zu gelangen und eine schleichende „Faschisierung der deutschen Provinz“ in Gang zu setzen. Zu dieser Einschätzung ist der frühere „Zeit“-Redakteur Toralf Staud gelangt, der die lokalen Wahlerfolge der NPD in der Sächsischen Schweiz und einigen hessischen Kleingemeinden genauer untersucht hat.
Staud stellte gestern in Berlin sein neues Buch „Moderne Nazis“ vor. Darin vertritt er die Ansicht, dass die NPD in der Jugendszene einiger Orte teilweise bereits so stark verankert ist, dass sie „national befreite Zonen“ ausrufen kann. Die Extremisten-Gruppen propagierten - durchaus erfolgreich - einen Alltagsrassismus, etwa nach dem Motto: „Kindergeld nur für Deutsche“.
Früher, so Staud, seien rechtsextrem denkende junge Männer durch Heirat und Familiengründung oft von ihren Auffassungen losgekommen. Inzwischen gebe es in einigen sächsischen Kleinstädten ein so engmaschiges „braunes Netzwerk“, dass der Umstieg in eine andere Lebenswelt wenig wahrscheinlich sei. Nach Einschätzung von Staud finden dort Jugendliche der „rechten Szene“ auch eine „gleich gesinnte“ Freundin. Zunehmend seien die Mitglieder von Neonazi-Kameradschaften dabei, ihre Kinder gezielt in bestimmte Kindergärten zu schicken und dort auf einer „nationalen“ Ausrichtung zu bestehen - etwa einer intensiveren Pflege „deutschen“ Brauchtums.
Toralf Staud: Moderne Nazis. Die neuen Rechten und der Aufstieg der NPD, Kiepenheuer & Witsch.
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