Von ALEXANDRA WACH, 18.08.05, 07:47h
Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sich vor Caroline nicht jede Tür öffnete. Sie hat dem Tod lange genug ins Gesicht geschaut, um sich vor keiner noch so obskuren Macht zu fürchten. Die 25-jährige Kate Hudson, Tochter von Goldie Hawn und Stieftochter von Kurt Russell, spielt die abgeklärte Krankenschwester, die des Sterbens unter ihrer Hand überdrüssig ist.
Sie mag nicht mehr zusehen, wie Menschen, die niemand vermisst, einen einsamen Tod erleiden, deren bescheidene Habe wie Abfall im Müllcontainer landet. Caroline flüchtet ins Umland von New Orleans, nimmt einen Pflegejob an und gehört bald zum Inventar eines Anwesens, das hinter seinen quietschenden Holztüren mehr als ein schauerliches Geheimnis verbirgt.
Der von einem Schlaganfall gezeichnete Hausherr ist niemand anderer als John Hurt. In jede seiner majestätisch eingeritzten Falten ist die Gefährlichkeit des Lebens im sumpfigen Süden eingeschrieben. Deshalb verwundert es kaum, als man erfährt, dass seine Sprachbehinderung im Zusammenhang mit den mysteriösen Aktivitäten steht, die sich hinter der verschlossenen Tür am Ende des Dachbodens zusammenbrauen.
Als die Frau des Patienten in Gestalt von Gena Rowlands - der man ein Faible für das Horror-Genre nicht gerade zugetraut hätte - den Generalschlüssel herausrückt, ist der Fortgang von Carolines Ermittlungen in den Verließen der Villa leider dann so spannend wie das Öffnen eines Adventskalenders. Der Teufel lauert hinter sich wundersam vermehrenden Spiegeln und bekommt Konkurrenz vom Hoodoo-Zauber - nicht zu verwechseln mit Voodoo -, ein von Sklaven und französischen Einwanderern entwickelter Kult, der ganz ohne Puppen und Nadeln auskommt.
Zu allem Überfluss zappelt John Hurt alarmierend ängstlich in seinem Rollstuhl, als sollte er zum zweiten Mal einen Alien gebären. Dass man dem vorhersehbaren Geschehen dennoch lustvoll zuschaut, liegt an dem perfekt inszenierten Schauder, der auch ohne originelles Drehbuch seine Wirkung entfaltet. „Der verbotene Schlüssel“ steht für die geringfügige Variation einer Filmformel, in der sich gewöhnlich eine junge Familie, in diesem Fall eine junge attraktive Frau, der Gefahr eines Hauses aussetzt, das von schlecht gelaunten Geistern heim-gesucht ist. Er setzt ganz auf mieses Wetter, rasante Kamerafahrten durch klaustrophobisch enge Korridore und eine Heldin, deren Überleben davon abhängt, ob sie glaubt, was sie sieht, oder doch lieber ihren grauen Zellen vertraut.
Im Schlepptau von „The Others“ begnügt sich der britische Regisseur Iain Softley mit einem klassisch angelegten Mystery-Thriller ohne Splattereffekte und entlohnt dafür mit einer konstant morbiden Atmosphäre und einem erfreulich verblüffenden Finale. Zwischendurch hängt der Spuk zwar ein wenig schief, bleibt aber rührend handgemacht. Wann hat man schließlich das letzte Mal Hühnerskelette im Einsatz gesehen oder multifunktionale Pülverchen, die das Böse vor der Türschwelle ausharren lassen? Für so viel respektvollen Umgang mit der Genrehistorie muss man schlicht dankbar sein.
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