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Betriebsamkeit rund um die Uhr

Von GISELA SCHWARZ, 24.08.05, 16:39h, aktualisiert 24.08.05, 16:40h

Lindlar - Stilgerecht renoviert und Rund-um-die-Uhr-Betrieb: Alter Bahnhof in Lindlar beherbergt eine Spedition und eine Rotlicht-Bar. Eine praktische Nutzung der Immobilie rund um die Uhr.

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Frisch renovierter Bahnhof: Inhaber Willi Kellershohn freut sich, dass im Bahnhof Lindlar auch nach hundert Jahren noch rege Betriebsamkeit herrscht.
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Frisch renovierter Bahnhof: Inhaber Willi Kellershohn freut sich, dass im Bahnhof Lindlar auch nach hundert Jahren noch rege Betriebsamkeit herrscht.
Stilgerecht renoviert und Rund-um-die-Uhr-Betrieb: Alter Bahnhof in Lindlar beherbergt eine Spedition und eine Rotlicht-Bar.

Lindlar - Eine wechselvolle Geschichte hat der 100 Jahre alte Bahnhof in der Luisenstraße auf dem Buckel. Und unweigerlich verdrehen vor allen die Männer in Lindlar die Augen, wenn man die Örtlichkeit nennt. In dem schmucken Grauwackegebäude mit dem Schieferdach ist nämlich nicht nur die Spedition Willi Kellershohn zu Hause, sondern auch im ersten Stock die Rotlicht-Bar des Wuppertalers Rolf Nolt.

„Tagsüber herrscht hier großer Betrieb mit unseren Lkw, ab 22 Uhr geht der Betrieb da oben los“, berichtet Inhaber Willi Kellershohn, dessen verstorbener Vater Egon Kellershohn den alten Bahnhof im Jahre 1968 von der Bundesbahn erworben hatte. Eine praktische Nutzung der Immobilie rund um die Uhr. „Das hat einen großen Vorteil: Hier ist immer jemand da mit einer durchgehenden Bewachung - Einbrecher werden abgeschreckt. Hier ist noch nie was weg gekommen.“

Mit viel Mühe und Kosten hat Willi Kellershohn das alte Gebäude renoviert: Die alten Fenster mit den Oberlichtern wurden durch neue im alten Stil ersetzt, die schönen alten Türen in Bergisch Grün und Weiß restauriert, die Außenfassade mit den Grauwacke-Elementen abgespritzt, neu verfugt und weiß gestrichen. „Ich habe mir viele alte Bahnhöfe, darunter den von Hermann Haeck in Linde, angeschaut und mich daran orientiert“, sagt Willi Kellershohn, der sich ein bisschen ärgert, dass er nicht gleich eine Förderung vom Denkmalschutz beantragt hat.

Doch jetzt ist es zu spät: Auch das Schieferdach mit den vielen geschwungenen Dächern, Schmuckgiebel und dem Turm ist neu eingedeckt. Auf dem Türmchen kräht nicht mehr der Hahn, sondern ein Lastwagen richtet sich wie eine Wetterfahne nach dem Wind. „Wir mussten dringend etwas tun mit dem Gebäude, denn wir haben inzwischen auch viel Besucherverkehr für unseren Betrieb“, erklärt Kellershohn die kostspielige Renovierung, von der auch die anderen Mieter profitieren.

Im Jahr 1912 war Lindlar an das große Eisenbahnnetz angeschlossen worden - von Köln über Bergisch Gladbach, Bensberg wurden die Schienen im Laufe der Zeit über Immekeppel bis zu den Lindlarer Steinbruchbetrieben geführt. Am 16. Dezember 1912 eröffnete der Bahnhof Lindlar, doch schon 1967 fuhr der letzte Güterzug, der Verkehr hatte sich auf die Straßen verlagert.

Noch gut kann sich Malermeister Manfred Hamm, der direkt neben Bahnhof und Schiene aufgewachsen ist, daran erinnern, wie er als kleiner Bub immer neben den einlaufenden Zügen hergerannt ist. Vergangene Zeiten.

1968 kaufte das Transportunternehmen Wilhelm & Egon Kellershohn den ehemaligen Bahnhof, zog 1971 mit dem Mineralölhandel und dem Transportbetrieb aus der Kölner Straße mitten im Ortskern um in die Luisenstraße. 1972 machte Egon Kellershohn eine Disco in dem alten Gebäude auf, an die sich noch viele Lindlarer erinnern, danach betrieb der Fußballer Horst Holzhammer aus Porz die Disco „Old Station“ - die Leute kamen auch aus Köln und Remscheid.

Jahre später pachtete der Wuppertaler Rolf Nolt die Gastronomie als Barbetrieb. „Wo heute unser Büro ist, waren früher die Séparées und die Tanzfläche mit dem Striptease“, erinnerte sich Willi Kellershohn lächelnd und berichtete mit Süffisanz über die Erweiterung des Speditionsbetriebs: „Mit unserem Büro sitzen wir heute hier in der verkehrsberuhigten Zone.“



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