Erstellt 25.08.05, 07:30h, aktualisiert 01.09.05, 08:33h
VON THOMAS AGTHE
Bonn - Wenn die Gläubigen und die Besucher in den Bänken der Bonner Münsterbasilika sitzen, dann schallt ihnen das Spiel der Orgel in den Rücken. Und zu jedem Gottesdienst stützt und leitet sie den Gesang der Gemeinde und verbreitet Feierlichkeit. Nur zu sehen ist von dem raumgreifenden Instrument nicht viel. Hoch auf der Westempore der Basilika thront die Orgel und außer dem Organisten, weiteren Musikern und den Mitgliedern des Kirchenchores bleibt verborgen, was der Hennefer Bildhauer Manfred Saul an vielfältigen Motiven in das schwere Eichenholz des Orgelprospekts geschnitzt und herausgestemmt hat.
Wer die Gelegenheit hat, sich die Orgel anzuschauen, oder das jetzt frisch erschienene Buch über die Orgel „Melodie des Lebens“ zu erwerben, entdeckt nicht ohne Erstaunen, dass die Kirchenoberen mit der Wahl Manfred Sauls an einen kundigen Mann geraten waren, der so manche Glaubensbotschaft mit den Ereignissen und den Phänomenen der Jetzt-Zeit zu verbinden wusste. Da schweben Astronauten in ihren dicken Helmen an der Orgel, und im Buch finden wir dazu den Ausspruch des ersten Menschen im Weltall, Juri Gagarin: „Wir sind in der Weltall vorgestoßen. Gott haben wir nirgendwo gefunden.“
Männer im Feuerofen
Dabei verbirgt er sich in jeder Kerbe des Orgelprospekts. Ob es um das Gleichnis der beiden um ein Kind streitenden Frauen geht, um die Männer im Feuerofen oder das Elternpaar, das sein neu geborenes Kind hält: „Jedes Kind, das geboren wird, bringt von Gott die Botschaft mit, dass er noch nicht an der Menschheit verzweifelt.“ Ein Spruch Rabindranath Tagores, den der Autor des Buches Thorsten Chirstian Malessa, dazu gestellt hat.
Die jüngere Geschichte des Orgelspiels im Bonner Münster reicht zurück in das Jahr 1794, als die Kirche eine neue Orgel eingebaut bekam. Die erste soll etwa um 1230 in der Basilika erklungen sein. Peter Kemper hieß ihr Konstrukteur der neuen Orgel und ausgestattet war sie mit 26 Registern. Weit über ein Jahrhundert tat sie ihren Dienst bis zum Jahre 1922, als die damalige Kirchenleitung die Orgelbaufirma Klais mit einem Neubau beauftragte. 109 Register sollte dieses Instrument haben.
Drei Jahre später lieferte Klais erst einmal eine kleinere Variante mit 30 Registern ab, weil nicht genügend Geld vorhanden war. Bis 1940 kamen 40 Register hinzu, und die heutige Orgel, die in den Jahren 1981 / 82 renoviert und erweitert wurde umfasst jetzt 69 Register und 5112 Pfeifen, vier Manuale und ein Pedal.
Das Orgelbuch ist im Münsterladen zu einem Preis von 19.90 Euro zu erwerben. Es enthält auch eine CD mit musikalischen Kostproben des Instruments.
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