Von Matthias Niewels, 30.08.05, 07:06h, aktualisiert 20.07.10, 09:52h
Zweifel an der legalen Arbeitsweise tauchten jedoch immer wieder auf - nun bekommen sie neue Nahrung durch Ermittlungen in Hannover. Dort soll ein Jura-Professor den begehrten „Dr.“ gegen Geld möglich gemacht haben. Dabei ist die Vermittlung eines Doktorvaters und die Hilfe etwa bei der Literaturrecherche legal. Illegal wird es erst, wenn ein Professor Doktoranden gegen Bezahlung annimmt. In diese Richtung ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover.
Im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen den Jura-Professor wurden Ende vergangener Woche auch die Räume des Instituts in Bergisch Gladbach durchsucht. Und die Beamten wurden offenbar fündig: „Wir gehen nach erster Sichtung der Akten von einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Uni-Professor und der Beratungsfirma aus“, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe aus Hannover dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dem Jura-Professor droht möglicherweise eine Haftstrafe wegen Korruption, gegen die Verantwortlichen am Institut ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bestechung.
Innerhalb der Hochschullandschaft verbreitete sich die Nachricht vom „korrupten Prof“ wie ein Lauffeuer. Dabei sind dort weniger die schlüpfrigen Details des Falles - der Doktortitel soll auch gegen sexuelle Dienstbarkeiten leichter zu haben gewesen sein - von Interesse, als die möglichen Folgen. Bis dato gibt es nicht einen einzigen Professor in Deutschland, der nachweislich mit Promotionen im großen Stil gehandelt hat. Und keiner hat die Zusammenarbeit mit einem Promotionsberater eingeräumt.
Professor Manuel René Theisen von der Uni München: „Ich kann nur hoffen, dass diese Ermittlungen den Anfang vom Ende der so genannten Promotionsberatung in Bergisch Gladbach darstellen.“ Theisen verfolgt die Arbeit des Bergisch Gladbacher Instituts seit Jahren. Etliche Male stritten Grätz und Theisen vor Gericht. „Es konnten ihm aber nie Zahlungen an Professoren nachgewiesen werden“, sagt Theisen. Tatsächlich schützt Grätz seine Doktormacher. So legt das Institut öffentlich keine einzige Dissertationen vor, bei der es „geholfen“ hat. Das würde die Kunden eventuell in Schwierigkeiten bringen.
Der „Deutsche Hochschulverband“ - in dem die Hochschullehrer organisiert sind - hat eine „Empfehlung zum Promotionsverfahren“ beschlossen. Und da heißt es: „Unvereinbar ist die Inanspruchnahme gewerblicher »Promotionsberater«.“ Wer immer mit dem „Institut für Wissenschaftsberatung“ zusammenarbeitet, muss es also diskret tun. Auch an der Uni-Köln sind die Doktormacher ein Thema. Pressesprecher Wolfgang Mathias: „Sicher ist das Beratungsinstitut aus Bergisch Gladbach auch bei uns bekannt, aber vor Ort ist es nicht in Erscheinung getreten.“ Vom Institut selbst war gestern niemand zu sprechen. Die beiden Geschäftsführer Albert G. und Norbert D. waren nicht erreichbar.
Wie groß der Bedarf an „Promotionsberatern“ in Deutschland ist, zeigt ein kurzer Blick ins Internet. Gleich mehrere Foren beschäftigt die Frage: Wie bekomme ich auf „einfache“ Weise einen Doktortitel von einer deutschen Hochschule. Vielfach sind es im Berufsleben stehende Männer und Frauen, die keine Zeit für die Doktorvater-Suche haben, die sich dort zu Wort melden. Für einen weiteren Karrieresprung wäre der akademische Titel hilfreich. In solchen Fällen versprechen Promotionsberater „Hilfe“.
Die Staatsanwaltschaft in Hannover vermutet, dass das „Institut für Wissenschaftsberatung“ bei seiner Hilfe den legalen Bereich verlassen hat. Allerdings wartet auf die Ermittler noch viel Arbeit. Sie müssen herausfinden, wie der mutmaßlich gekaufte Jura-Professor aus Hannover „seine“ Kandidaten durch die Prüfungen geschleust hat. Und sie werden auch untersuchen, ob er ein Einzelfall ist.
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