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„Land of the Dead”: Zombie-Kommunarden

Von MILAN PAVLOVI´C, 01.09.05, 07:09h

Wer Zombies erst im vergangenen Frühjahr durch den rasanten „Dawn of the Dead“ kennen und schätzen gelernt hat, dürfte sich bei „Land of the Dead“ etwas wundern. Bertolt Brecht wäre ein Veehrer von George A. Romeros Untoten gewesen.

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Die Zombies tauchen wieder auf.
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Die Zombies tauchen wieder auf.
Bertolt Brecht wäre ein Veehrer von George A. Romeros Untoten gewesen.

Wer Zombies erst im vergangenen Frühjahr durch den rasanten „Dawn of the Dead“ kennen und schätzen gelernt hat, dürfte sich bei „Land of the Dead“ etwas wundern. Die Leichen, die sich weigern, liegen zu bleiben und stattdessen nach dem Fleisch der Lebenden trachten, sind hier nicht gedopt wirkende Sprintertypen, sondern unfasslich langsame Geschöpfe, die die Menschen nur durch ihre Renitenz und ihre schiere Masse überwältigen können.

Das ist kein Verstoß gegen Zombie-Sitten, denn so war das schon vor fast 40 Jahren, als George A. Romero durch „Nacht der lebenden Toten“ zum Papa des Untoten-Genres wurde. Alle, denen bei Worten wie Untote oder Fleischfresser der Appetit vergeht und die glauben, hier sei von einer tumben, zynischen Geldvermehrungsmaschine die Rede, sollten allerdings bedenken: George A. Romero ist der Antikapitalist schlechthin unter den Filmemachern, der wohl härteste Kritiker von Konsum und Materialismus.

Kein anderer US-Film war Bertolt Brecht je so nahe wie „Land of the Dead“. Es gibt die bezeichnende Anekdote eines linken Filmkritikers, der Romero Ende der 70er zur Rede stellte und realisieren musste, dass der Amerikaner nicht nur politisch viel weiter links stand, im Herzen ein Revoluzzer, sondern auch viel gebildeter war, als es seine Blut- und Gedärme-Horrorstücke auf den flüchtigen Blick vermuten ließen.

Zum vierten Mal seit 1968 widmet sich Romero also dem Kampf der Lebenden und der Toten, und es ist frappierend, wie sich in dieser Zeit die Verhältnisse gewendet haben. Vom verständnislosen Entsetzen über den Aufstand der Toten („Nacht der lebenden Toten“) über den brutal und oft zynisch gestalteten Überlebensalltag der Menschen („Dawn of the Dead“, hierzulande 1979 berüchtigt geworden unter dem Titel „Zombie“) und dem Versuch der Überlebenden, der Untoten Herr zu werden und sie abzurichten („Day of the Dead“, 1985 im Zeitalter der Reagonomics fast untergegangen), sind wir in einer Dreiklassengesellschaft gelandet: Es gibt die Toten, dann die gerade noch Lebenden, die in Getto-ähnlichen Gegenden hausen, und dann gibt es die Reichen, die es sich leisten können, in einem Luxushochhaus namens Fiddler's Green zu leben, als sei draußen nichts geschehen.

Nur die Allerwenigsten bewegen sich zwischen diesen Schichten, am geschicktesten wahrscheinlich Riley (Simon Baker) und seine Söldner-Gang - wobei Riley endlich raus will aus diesem Teufelskreis, sich auf die Suche nach einem freien Stück Erde machen will, während sein angeberischer Latino-Helfershelfer Cholo (John Leguizamo) nur davon träumt, in Fiddler's Green vorgelassen zu werden.

Derweil rotten sich immer mehr Zombies um einen Typ, der wie ein Big Daddy die Meute zu „Fiddler's Green“ führt und dem dabei kein Hindernis - weder Zäune noch Flüsse - zu hoch oder tief erscheint. Wie der erste Mensch (oder wie die Affen in „2001“) lernt er, wie man Gegenstände Gewinn bringend einsetzt, und wie ein wahrer Kommunist mag es Big Daddy, sein Wissen mit den anderen zu teilen.

Die Metaphern und Zeichen von „Land of the Dead“ sind fast mit den Händen zu greifen. Natürlich ist es kein Zufall, dass Big Daddy in den Klamotten eines Tankwarts herumläuft und dass der Oberschurke Kaufman heißt: Romeros Film zielt unter anderem darauf ab, die Ausbeutung des Planeten und seiner Rohstoffe zu kritisieren. Die meisten Menschen haben das Elend draußen längst verdrängt, Zombies werden wie Kampfhähne gehalten und manchmal bewusst auf Menschen losgelassen. Auf Befehl des Oberkapitalisten Kaufman - der ironischerweise vom Alt-68er Dennis Hopper gespielt wird, und das angenehm zurückhaltend - wird nichts mehr produziert, stattdessen werden überall die vermutlich letzten Reserven abgezapft.

Wie so oft in Filmen mit einer derart klaren Haltung droht die Botschaft das Vergnügen zu ersticken - zumal wenn Vergnügen ein relativer Begriff ist, weil da Menschen ausgenommen werden wie Vieh und schon allein die Tonspur (immer noch) für schlaflose Nächte sorgen kann. „Land of the Dead“ lässt sich etwas zäh an, zumal für jene, die die Trilogie schon kannten. Aber wenn man sich auf seinen Rhythmus einlässt und darauf, dass hier fast alles handgemacht und nicht Computer-verziert ist, kann man der Art des Films erliegen. Er wird immer besser, je länger er dauert (insgesamt nur 93 Minuten), und gegen Ende gibt es einen Moment zwischen Riley und Big Daddy, der zu den Höhepunkten des gesamten Zombie-Genres gehört. Es ist eine Utopie, aber das waren einige der besten Filme von John Ford auch.



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