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Der Minimax Dadamax ist heimgekehrt

Von GEORG IMDAHL, 13.02.09, 19:04h

Es lebe der Surrealismus: Brühl feiert sein neues Max-Ernst-Museum, das morgen eröffnet wird. Vor allem mit der umfangreichen Skulpturensammlung setzt das neue Haus einen eindrucksvollen Qualitätsmaßstab.

Bild: Worring
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Einst ein Tanzsaal, heute das Max-Ernst-Museum: Blick in das neue Kunstjuwel in Brühl.
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Einst ein Tanzsaal, heute das Max-Ernst-Museum: Blick in das neue Kunstjuwel in Brühl.

Als wäre es ein freudiger, heiterer Tagtraum: Minimax Dadamax ist heimgekehrt - nach Brühl. Vielleicht fängt die Geschichte schon damit nicht ganz richtig an, denn endgültig zu Hause war dieser Globetrotter, ein wahrer Global Player in der Kunst des 20. Jahrhunderts, nie und nirgends. Und er wollte es nicht sein. Wirklich anzukommen, gar bei sich selbst, war ihm als Ziel ganz und gar zuwider. „Dass es ihm geglückt ist, sich nicht zu finden, betrachtet Max Ernst als einziges Verdienst.“ So schreibt er, nicht ohne dadaistisches Selbstbewusstsein, über sich selbst.

Da hatte Max Ernst (1891 bis 1976) in Köln schon mit Ideen provoziert, wie sie heute noch im Museumsbetrieb als gelungene Pointe gefeiert würden: Im Kölnischen Kunstverein hatte Max Ernst („Dadamax Minimax“) 1919 mit Hans Arp und Theodor Baargeld einen veritablen Kunsteklat hervorgerufen, als man Kinderzeichnungen und Blätter von Amateuren zeigte. Hatte Ausstellungen eingerichtet, denen umgehend von polizeilicher Seite aus „Obszönität“ vorgeworfen wurde wie anno 1920. Im Lichthof des Brauhauses Winter konnte man sie sehen, erreichen allerdings nur durchs Pissoir.

Sich nicht zu finden: Das bedeutete für dieses Temperament, keine seiner zahlreichen Entdeckungen und Erfindungen bis zum Markenzeichen auszukosten, sondern immer wieder früh genug nervös werden, unruhig, neugierig. Es bedeutete, manchmal auch aus gewaltigen Potenzialen kein maximales eigenes Kapital zu schlagen. In den frühen 40er Jahren, nach der Emigration nach Amerika, erfand Max Ernst jene Tröpfeltechnik, für die sich später Jackson Pollock interessierte und die durch ihn weltberühmt gemacht wurde. Sich nicht zu finden, hieß für diesen Künstler, immer wieder neu auszugreifen ins Universum der Möglichkeiten - ohne sich darin zu verlieren.

Wenn man aber einen Zugang finden kann zu Max Ernst und sich selbst einmal verlieren will in seiner Kunst, so gelingt dies im Max Ernst-Museum in Brühl, das morgen offiziell und am Sonntag für das Publikum eröffnet wird. Das Museum im vom Kölner Architekten Thomas van den Valentyn umgebauten und erweiterten klassizistischen Benediktusheim von 1844, einem späteren Vergnügungslokal, in dem Ernst selbst noch das Tanzbein geschwungen haben könnte, geht auf eine „Public Private Partnership“ zurück, in welcher der Landschaftsverband Rheinland, die Stadt Brühl und die Kreissparkasse Köln vereinigt sind. Letztere hat in den zurückliegenden Jahren mit glücklicher Hand größere Werkblöcke erworben, die es dem Museum als Leihgaben dauerhaft zur Verfügung stellt: vor allem eine umfangreiche Sammlung mit sechzig Bronzen, die Max Ernst, wo immer es ihn hinzog, bei sich hatte und die er sein „Haustheater“ nannte. Ernst hatte diese Skulpturen ständig in der Hand, umsorgte sie, arrangierte sie neu. Sie tragen die Patina seiner Existenz, sind authentisches Material pur. Mit einem solchen umfangreichen Kabinett von Güssen aus allen Werkphasen (20er bis 70er Jahre) setzt das Museum einen eindrucksvollen Qualitätsmaßstab.

Das Museum ist ein Hort der Ideen, von denen der rheinische Dadaist und Surrealist der ersten Stunde beflügelt war. Wir folgen der Chronologie des künstlerischen Werks und schauen dem Pennäler über die Schulter, wie er einen Lehrer karikiert, begutachten die ersten Schritte im Stile der rheinischen Expressionisten (noch ziemlich bürgerlich und im leuchtenden Licht des Vorbildes August Macke). Schon bald aber setzt sich der Kriegsheimkehrer in den Jahren nach 1918 an die Spitze der Kölner Dada-Bewegung und provoziert die akademische Kunstszene.

Juwelen sind 36 kleine Bilder, die Max Ernst als Liebesbezeugungen und Geburtstagsgaben in 34 Jahren für seine Ehefrau Dorothea Tanning malte. Das Kompendium der Bilder bietet nicht nur einen imposanten Querschnitt durch die unterschiedlichen Techniken des Brühlers. In ihm kreuzen sich künstlerische und private, intime Ziele, wie man es nur selten in der Kunst des vorigen Jahrhunderts kennt. Angekauft wurden zudem singuläre Gemälde wie jene Wandbilder aus dem Hause Eluard, die erst in den 60er Jahren wieder aufgefunden worden waren. Schließlich steht dem Museum fast das komplette grafische Oeuvre aus der Sammlung Schneppenheim zur Verfügung, darunter die legendären Mappenwerke „Histoire naturelle“ (Naturgeschichte) und die „Maximiliana“.

Weniger glanzvoll bestückt ist das Museum mit großformatiger, repräsentativer Malerei. Es wird, wie bereits jetzt in der bis April anberaumten Auftaktpräsentation, auf Leihgaben angewiesen sein. Es wird sich also, ganz wie sein Namenspatron, als wendig und findungsreich erweisen müssen.



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