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Mehr Interesse an Arbeit und Sozialem als an Energie und Umwelt

Erstellt 09.09.05, 07:21h

Mit Ernst Ulrich von Weizsäcker holte sich SPD-Kandidat Karl Lauterbach wissenschaftlichen Beistand nach Leverkusen. Kritik am Umweltverhalten der Amerikaner übte von Weizsäcker.

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Karl Lauterbach im Gespräch mit Bürgern. Im Hintergrund SPD-Umweltexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker.
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Karl Lauterbach im Gespräch mit Bürgern. Im Hintergrund SPD-Umweltexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker.
Mit Ernst Ulrich von Weizsäcker holte sich SPD-Kandidat Karl Lauterbach wissenschaftlichen Beistand nach Leverkusen.

Energie- und Umweltpolitik waren die Themen, die Lauterbach und sein Gast, der Umweltexperte der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, gestern in der Wiesdorfer Fußfängerzone diskutieren wollten. Doch die Passanten interessierten sich mehr für die Themen Arbeit und Soziales.

Kritik am Umweltverhalten der Amerikaner übte von Weizsäcker. Erst jetzt, nach der Katastrophe von New Orleans, werde den USA allmählich klar, dass die Vernachlässigung der Umwelt unverantwortlich sei. Der Energieexperte verteidigte die Einführung der Okösteuer im Jahre 1999. Seitdem sei der Spritverbrauch in der Bundesrepublik kontinuierlich gesunken, und das trotz steigender Kilometerleistung. „Das haben die USA noch nicht gemerkt“, kritisierte von Weizsäcker, bemerkte aber auch, Japan sei in dieser Frage noch besser als Deutschland. Weizsäcker forderte, in der Entwicklung neuer Technologien „müssen wir noch besser werden“.

„Wer ist eigentlich wir?“, wollte ein Passant wissen und forderte, die Politik solle sich heraushalten und den Markt die Dinge selbst regeln lassen. Er spreche nicht gegen den Markt, sagte von Weizsäcker, aber der regele nicht alles. Er kümmere sich um die Ölbeschaffung für heute, nicht aber darum, wie lange die Vorräte reichen. Karl Lauterbach ergänzte. Jedes große Projekt sei zunächst vom Staat unterstützt worden.

Professor ist Professor, glaubte offenbar ein Passant und raunzte Lauterbach an: „Sie sind doch der Kirchhof von der SPD“, meinte der Mann und kritisierte, dass in Lauterbachs Bürgerversicherung der mehr zahlt, der mehr verdient. Das sei versicherungsfremd. Reiche Leute seien schließlich nicht kranker als arme. „Es geht darum, dass sich sozial Schwache auch künftig eine ordentliche Krankenversicherung leisten können,“ antwortete Lauterbach und geißelte seinerseits die Kopfpauschale der CDU. Da gebe es den Einheitsbeitrag für alle und der sozial Schwache bekomme anfangs noch einen Steuerzuschuss. „Später aber nicht mehr, vor allem wenn sich Kirchhof durchsetzt,“ warnte der SPD-Kandidat.

Die vielen Minijobs hätten massenhaft ordentliche Arbeitsplätze vernichtet, war der nächste unfreundliche Vorwurf an Lauterbach. Er wolle nicht bestreiten, dass durch die Minijobs sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vernichtet worden seien. Unter dem Strich aber hätten die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse wesentlich mehr Arbeit gebracht. Das sei so wie bei einem Medikament. Wenn es helfe, könne man gewisse Nebenwirkungen akzeptieren. (ras)



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