Von WILLI GERMUND, 09.09.05, 07:00h
Kunduz - Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Bundeswehr kurz nach den afghanischen Parlamentswahlen am 18. September in der Stadt Mazar-i-Scharif die regionale Verantwortung von den Briten übernehmen. Damit wird ein neues Kapitel für den Einsatz der Deutschen am Hindukusch eingeläutet. Aus der Hauptstadt Kabul werden sie fast völlig abziehen. Dort hatten die Deutschen bislang das Straßenbild dominiert. Ihr neuer Verantwortungsbereich nun schließt auch Paschtunen-Gebiete ein, Gegenden, in denen radikalislamische Taliban aktiv werden könnten. Der wichtigste „Feind“ aber dürfte die Drogenmafia sein. Im Norden gibt es große Anbaugebiete für Schlafmohn.
Der Flughafen in Mazar-i-Scharif wird als Basis für die Transporthubschrauber dienen. Sogar der Umzug des großen Feldlazaretts von Kabul steht zur Debatte. Außerdem wird in der Stadt eine „Schnelle Eingreiftruppe“ der Deutschen stationiert werden, die keinen regionalen Beschränkungen mehr unterliegen soll. Voraussetzung dafür ist, dass das Mandat vom Bundestag entsprechend verändert wird. Verteidigungsminister Struck rechnet damit, dass der Afghanistan-Einsatz zehn Jahre dauern könnte. Militärs benennen eine andere Faustregel: Nach einem Konflikt, der wie hier ein Vierteljahrhundert währte, sind auch 25 Jahre nötig, um das Land einigermaßen zu stabilisieren.
Der deutsche Umzug in den Norden ist Teil einer Neuordnung der internationalen Truppen in Afghanistan. Paris will künftig die Federführung bei der Sicherung Kabuls übernehmen. Nato-Streitkräfte sollen im Süden und Westen Afghanistans Wiederaufbauteams gründen. Und die USA wollen sich neben ihrem Kampf gegen Taliban und El Kaida mehr auf die Region an der Grenze zu Pakistan konzentrieren, ihre Stützpunkte in Kandahar und Baghram aber beibehalten. Von den zwei Milliarden Dollar, die Washington eigentlich in zivile Aufbauteams stecken wollte, wird indes der größte Teil im Ausbau der Stützpunkte landen. Für den Bau von Schulen und Brücken fällt wenig ab.
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