Von RALF ROHRMOSER-VON GLASOW, 14.09.05, 07:13h, aktualisiert 14.09.05, 08:37h
Sankt Augustin - Über den Wolken fliegen ist nicht immer das höchste Ziel des Piloten. Mark Stähle will an diesem Morgen ganz im Gegenteil genau drunter bleiben. Denn er hat Köln im Visier, genau genommen den Kölner Dom. Die Gäste stehen am Tower des Flugplatz Bonn-Hangelars bereit und warten auf den Einstieg in die Antonov AN-2.
Doch zur eigentlichen Startzeit liegt die Sicht gerade mal bei drei Kilometern und die Wolkenunterseite hat noch nicht einmal 550 Meter erreicht. Das würde schlechte Aussicht bedeuten, und die kann Stähle gar nicht gebrauchen. Immerhin 90 Euro zahlt jeder für den Rundflug im alten Flieger, da möchte der gebürtige Schweizer schon was bieten.
Der Doppeldecker ist in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt worden, Erstflug war am 30. August 1947. Die „Anna“ ist ein robustes, vielseitiges Flugzeug, das auch bei maximaler Ladung - dann wiegt sie 5,5 Tonnen - gerade mal 200 Meter Rollstrecke für Start und Landung braucht. 1000 PS leistet der Neun-Zylinder-Sternmotor, das bringt eine Reisegeschwindigkeit von 180 Stundenkilometer. Drinnen ist viel Platz für die neun Passagiere, die den Blick frei haben bis ins großzügig verglaste Cockpit.
Die Augustiner „Anna“ ist 1962 gebaut worden und tat anschließend Dienst bei der Nationalen Volksarmee der Ex-DDR. Unter dem Kennzeichen D-FKMA wurde sie 1990 für die zivile Nutzung zugelassen, ging dann aber ins Ausland. Im vergangenen Jahr schließlich erwarb sie Stähle mit seinem Kompagnon Wolfgang Bilo und rüstete sie mit einem riesigen Nachschalldämpfer auf die bestmögliche Schallschutzklasse um. Flight Training Cologne heißt ihre Firma, nur zugelassene Luftfahrtunternehmen dürfen diese großen, alten Maschinen fliegen.
Anderthalb Stunden nach dem angepeilten Termin dreht Co-Pilot Gaspar Soproni den Vierblatt-Propeller von Hand, er muss das Öl aus den Zylindern pressen. Dann startet Stähle den Motor, knatternd rollt die gelb-weiß-rot gestrichene AN-2 in Startposition. Aufgeregt ist Ingrid Döpper, die den Flug zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Sie freut sich auf die Millionenstadt am Rhein, den Rutsch über den Flughafen Köln / Bonn. Rechts rum und links rum geht es um den Dom, nach 32 Minuten ist alles vorbei, Döpper steigt glücklich lächelnd aus.
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