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Technisierte Nostalgie

Von TOBIAS NEUHAUS, 15.09.05, 07:40h

Ehrenfeld - Nirgends flimmerte und piepte es schöner als in den Vulkanhallen. Mehr als 200 Programmierer, Grafiker und Musiker aus aller Welt kamen dorthin zur Kölner Demoparty „Evoke 2005“.

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Rund 200 Computerfreaks kamen zur Demoparty "Evoke".
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Rund 200 Computerfreaks kamen zur Demoparty "Evoke".
Nirgends flimmert und piept es schöner. Mehr als 200 Gäste aus aller Welt kamen zur Kölner Demoparty „Evoke 2005“.

Ehrenfeld - Höchste Zeit, einige Voreinstellungen upzudaten: Wer hinter der „Evoke“, dem jährlichen Treffen von Programmierern, Grafikern und Musikern in Köln, einen Zirkel lichtscheuer Gestalten vermutet, die in schlecht gelüfteten Hinterzimmern über Codes und Algorithmen debattieren, liegt komplett daneben. Was einst als konspirative Zusammenkunft eingefleischter Computercracks begann, hat sich nämlich längst zum international renommierten Event gemausert. „The demoscene space odyssey“ war die achte „Evoke“ übertitelt: Es ging um die Stars der Demoszene.

Ihre Wurzeln hat die Demoszene im illegalen „Cracker“-Milieu. Die begannen in den 80er Jahren, den Kopierschutz kommerzieller Software zu knacken und kombinierten diese mit einem kleinen, vorgeschalteten Programm. Das so genannte „Intro“ - meist eine grafisch animierte, mit Musik und Laufschrift unterlegtes Visitenkarte - kündete fortan jedem Nutzer vom Urheber des Cracks. Die Vorspänne wurden technisch immer aufwändiger und nabelten sich irgendwann als eigenes Genre von der Cracker-Szene ab. Die Intros - fortan unter der Bezeichnung „Demo“ - entwickelten sich zu einer virtuellen Bühne, auf der Programmierer, Grafiker und Musiker ihr Computer-Können demonstrierten. Spätestens seit Beginn der 90er trifft und misst sich die Demoszene auf eigenen Events.

Das gewachsene Selbstbewusstsein ihrer Mitglieder drückte sich bei der „Evoke 2005“ auch in der Wahl des Veranstaltungsortes aus: Der ausrichtende Verein „Digitale Kultur“ hatte die Demoszene in die feinen, denkmalgeschützten Vulkanhallen bestellt. Eine bessere Location hätte man für die Veranstaltung nicht finden können: Die ehemalige Maschinenfabrik, in der sich frühindustrielle Architektur und modernste Einrichtung verbinden, war die passende Kulisse für die Wettbewerbsbeiträge, in denen sich ein Trend zu hoch technisierter Nostalgie abzeichnete. Etwa beim „ansi / ascii“-Wettbewerb, wo Grafiken aus Tastaturzeichen vorgeführt wurden, oder in der Disziplin „tiny music“, bei der aus kleinsten Datenmengen mit raffinierter Programmierung hübsche Sounds generiert wurden. Das Ziel der Wettstreiter: Mit geringen Mitteln Großes schaffen - und das möglichst elegant.

Für die internationale Demoszene ist die „Evoke“ ein absolutes Highlight. Aus ganz Deutschland waren Gäste in die Vulkanhalle gekommen, aber auch aus Österreich, Holland, Skandinavien und sogar Israel. Itzik Shemesh-Sarel, in der Demoszene besser bekannt als „Bacter“, reiste nach seinem Militärdienst über Budapest, London, Amsterdam nun zum ersten Mal nach Köln. Aufgebrochen war er ohne feste Reiseroute. „Nur die Evoke war von Anfang an fest eingeplant“, sagte der Sound-Spezialist, „es ist bekannt, dass die Beiträge hier von hoher Qualität sind.“

Neben der Programmierkunst hat das Treffen viele weitere Facetten: Eine Band coverte auf Bass, Schlagzeug und Gitarre alte Computersongs; in den Ecken und unter den Tischen liegen Schlafsäcke ausgerollt; draußen wird gegrillt, abends deftig gefeiert und mit der Dauer gerät der Zeitplan zusehends durcheinander. Die Evoke ist ein Expertentreffen mit Festivalatmosphäre, kein Ort weltabgewandten Eigenbrötlertums - doch auch nicht frei davon: Ein technisches Highlight der diesjährigen Evoke war die Live-Übertragung der Party ins Internet. Und dieser Bringservice wurde auch vor Ort rege genutzt: Kann es etwas Schöneres geben, als bei der eigenen Party zuzuschauen?



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