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Wenn die eigene Lebensgeschichte zum Film wird

Von NINA TRENTMANN, 23.09.05, 07:18h

Zwei Historiker entdeckten eine Marktlücke und halten fest, was "man eigentlich mal aufschreiben müsste". Vergilbte Fotos, alte Briefe, Super-8-Streifen. Alles ist bei der Recherche von Bedeutung.

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Geschichtensammler und Filmemacher: Der Historiker Philip Janssen verdient sein Geld mit Lebensgeschichten ganz normaler Zeitgenossen.
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Geschichtensammler und Filmemacher: Der Historiker Philip Janssen verdient sein Geld mit Lebensgeschichten ganz normaler Zeitgenossen.
Vergilbte Fotos, alte Briefe, Super-8-Streifen. Alles ist bei der Recherche von Familiengeschichten von Bedeutung.

„Das müsste man mal aufschreiben!“ Wie oft endet der Besuch bei Oma mit diesem Satz, wenn sie mal wieder aus der Vergangenheit erzählt, wie im Krieg die Bomber am Horizont erschienen, oder wie die Hochzeit in Fallschirmseide war. Der Wunsch, dass etwas bleibt, ist so alt wie die Menschheit selber. Damit verdienen zwei Kölner Historiker nun ihr Geld: Sie erzählen Lebensgeschichten von Menschen, sichten Erinnerungsstücke wie Fotografien, Briefe, Tagebücher, führen Interviews und schneiden alles zusammen - zu einer Film-Dokumentation der ganz privaten Art.

Marian Krawietz und Philip Janssen machen noch mehr: Sie durchforsten Kirchenarchive, suchen in verstaubten Tauf- und Sterbebüchern nach längst verstorbenen Ahnen.

Das war der Grund, der auch Claudia Schneider (Name geändert) in ihr Büro an der Luxemburger Straße führte. Bis 1900 konnte sie die Herkunft ihrer Familie rekonstruieren, dann verlor sich der Faden. Philip Janssen gelang es, ihn bis 1680 zurückzuspinnen. Ein Teil der Historie wird jetzt verfilmt. Claudia Schneider wird ihren Vater zu dessen 80. Geburtstag im Dezember mit einem halbstündigen Film über sein Leben überraschen. Das ist allerdings kein preiswertes Vergnügen. Knapp 5000 Euro muss sie aufbringen. Mehr als fünf Stunden Super-8- Filmmaterial durchforstete Philip Janssen, immer auf der Suche nach besonders schönen Momenten. „Ich bearbeite hier die Erinnerungen von Generationen“, sagt der Historiker. Die Geschäftsidee hat ihn vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.

Geschichten haben den 30-Jährigen schon immer interessiert. „Erinnerungen sind schließlich unheimlich wertvoll“, sagt er. Egal, ob sie wie früher als Briefe oder vergilbte Fotos daherkommen oder jetzt professionell in Biografien oder Filmen festgehalten werden. In Zeiten der Globalisierung werde „der eigene Mikrokosmos mit den persönlichen Erinnerungen immer wichtiger.“ Ein Trend, den das Fernsehen längst aufgegriffen hat. Geschichtssendungen haben hohe Einschaltquoten.

„Genau so ist er“, sagte Claudia Schneider, als sie den Film über ihren Vater zum ersten Mal sah. In vielen Gesprächen hat sie versucht, dem Historiker ein authentisches Bild ihres Vater zu vermitteln. Philip Janssen hält sich mit eigenen Urteilen zurück. Nur einmal, erzählt er, habe er einen Auftrag abgelehnt, als ein ehemaliger Marineoffizier eine Autobiografie in Auftrag geben wollte. „Er wollte damit seiner Familie seine Sichtweise des Zweiten Weltkriegs vermitteln.“

Am kommenden Samstag veranstalten die beiden Historiker von „Geschichte präsent“ einen Tag der offenen Tür. Von 10 bis 18 Uhr informieren sie in der Luxemburger Straße 339 über ihre Arbeit.



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