Erstellt 27.09.05, 06:46h
Berlin - Platz vier beim 32. Berlin-Marathon, das ist doch eigentlich bombig. Doch auch drei Stunden nach dem Zieleinlauf wusste die Leverkusener Langstrecklerin Melanie Kraus nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Was die 30-jährige Läuferin störte, waren die 2:34:23 Stunden, die sie bis ins Ziel benötigt hatte. Die Platzierung ist top. Darüber freue ich mich. Aber der Ansatz war ja eine gute Zeit. Damit hat es leider nicht geklappt. Das ist schon enttäuschend, meinte die Europacup-Siegerin mit der Marathon-Mannschaft des Jahres 2002, die ihr erstes 42,195-Kilometer-Rennen im Jahr 2000 ebenfalls in Berlin gelaufen war und dabei in glänzenden 2:27:58 Stunden Platz fünf belegt hatte.
Ihr Trainer stieß ins gleiche Horn. Der Platz ist wunderbar, ein toller Erfolg", bilanzierte Coach Paul Heinz Wellmann, aber dass es wieder eine 34er Zeit geworden ist, ist weniger schön. Zusammen mit seinem Schützling war er im Vorfeld überzeugt gewesen, ein Rennen im Bereich unter zweieinhalb Stunden sei möglich. Doch es wurde der dritte Marathon binnen zwölf Monaten in 2:34 Stunden. Im Oktober 2004 hatte Melanie Kraus in 2:34:18 Stunden in Essen gewonnen, hatte im April in Hamburg das Ziel als Achte nach 2:34:31 Stunden erreicht. Am Sonntag in den Straßen der Hauptstadt, beim mit insgesamt fast 58 000 Teilnehmern viertgrößten Marathon der Welt nach New York, London und Chicago, wurden es vor über einer Millionen Zuschauern 2:34:23 Stunden.
Dabei war die gelernte Apothekerin, die aktuell ein Gesundheitsmanagement-Studium absolviert, wie schon in Hamburg lange auf Kurs einer Zeit in 2:32 Stunden. Im Schlepptau von Tempomacher Mario Kröckert behielt sie ihr Ziel in den Augen. Aber man hat schon gesehen, dass es ihr nach der Hälfte schwer fiel, erklärte Paul Heinz Wellmann. Als Kröckert bei Kilometer 32 dann ausstieg, lief nicht mehr viel zusammen: Da hat Melanie leider stark nachgelassen.
Trotzdem kann sie schon jetzt auf einen Start bei der Europameisterschaft 2006 in Göteborg hoffen, denn der Deutsche Leichtathletik-Verband plant, dort ein aus fünf Frauen bestehendes Marathon-Team an den Start zu schicken. Und dass Melanie mit ihrer heutigen Zeit wohl zu den besten Fünf in Deutschland gehört, davon bin ich überzeugt", meinte Wellmann am Sonntag. Kommt keine Mannschaft zustande, muss Kraus im Frühjahr allerdings noch zwei Minuten drauflegen. Die EM-Norm des DLV für Einzelstarter soll bei 2:32 Stunden liegen. Die endgültige Entscheidung darüber ist allerdings noch nicht gefallen.
Den 32. Berlin-Marathon gewann beiden Frauen die japanische Olympiasiegerin Mizuki Noguchi. Die 27-Jährige erreichte das Ziel in der Asienrekordzeit von 2:19:11 Stunden und feierte beim fünften Marathonstart ihrer Karriere den vierten Sieg. Sie kletterte in der ewigen Weltbestenliste auf Platz drei hinter Rekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien) und Catherine Ndereba (Kenia).
Die 36 Jahre alte EM-Zweite Luminita Zaituc aus Braunschweig kam auf Platz zwei (2:27:33), Dritte wurde die erst 21-jährige Asale Tafa aus Äthiopien (2:28:28). (ksta)
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