Von BEATRIX LAMPE, 30.09.05, 09:13h, aktualisiert 30.09.05, 09:17h
Damit Elefanten glücklich sind, brauchen sie viel Lob. „Tha mei lane mar taw“ (gut gemacht, braves Mädchen) zu sagen, das müssen die Pfleger im Kölner Elefantenpark lernen, damit die beiden Teenie-Elefanten aus Myanmar (ehemals Birma) sich zu Hause fühlen. Gestern wurden Aye Shan Maye (elf Jahre, 1,8 Tonnen) und Shu Thu Zar (zwölf Jahre, 3,2 Tonnen) in ihrer neuen Heimat vorgestellt. Sie sind seit mehr als 20 Jahren die beiden ersten Elefanten, die aus Myanmar herausgekommen sind. Zuletzt hatte der niederländische Zoo in Emmen birmanische Elefanten bekommen. Ein Teil der Emmener Herde bevölkert inzwischen den Kölner Elefantenpark.
Drei Jahre Vertragsverhandlungen, sieben Besuche und Kontakte zur Regierungsspitze von Myanmar hat es Dr. Olaf Behlert vom Kölner Zoo gekostet, bis der Ausreise der Dickhäuter in den weltweit renommierten Kölner Elefantenpark nichts mehr im Wege stand. Die Tierpfleger Maung Maung und Min Zaw, von denen jeder „seine“ Elefantin schon seit der Geburt oder zumindest viele Jahre kennt, haben die Jungkühe aus zwei Zoos in Rangun am Montag zum Flughafen geritten und sie beim 18-stündigen Flug begleitet; die Pfleger bleiben vier Wochen in Köln und freuen sich, dass es ihren bisher angeketteten Lieblingen im Freigehege so gut geht.
Der Flug verlief allerdings dramatisch: Aye Shan Maye war sehr nervös, drohte die Gitter in der Chartermaschine zu zerbrechen und musste sediert werden. Sie kollabierte sogar und wurde von Behlert mit Medikamenten reanimiert. In Köln angekommen, waren die Sorgen rasch vergessen. Die Neulinge haben schon ersten Kontakt zu den weiteren Elefantenkühen aufgenommen, gewöhnen sich vom mitgebrachten Zuckerrohr-Futter gerade auf Heu und Äpfel um und werden vermutlich schon am Wochenende zur Herde gelassen.
„Der Zeitpunkt der Ankunft ist günstig“, sagt Behlert. Die beiden Jungkühe können nämlich bald die Geburt des ersten Elefantenkindes in Köln begleiten. Dabei lässt der Zoo die Elefanten ganz ungestört. Die Gegenwart von Elefan-Tanten ist sehr wichtig, schirmen sie doch die Mutter ab, befreien das Kleine von Eihaut-Resten und stubsen es liebevoll, bis es sich erhebt und zum ersten Mal trinkt. Bei der Geburtsbetreuung sammeln die Jungkühe auch Erfahrungen für die spätere eigene Mutterschaft. Im Alter von 15 oder 16 Jahren bekommen die beiden hoffentlich selbst Nachwuchs.
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