Von EVELYN BINDER, 08.10.05, 07:00h, aktualisiert 09.10.05, 20:50h
Köln - Die Marillenknödel kommen nach dreieinhalb Minuten tischfertig aus der Mikrowelle, der frische Parmesan steckt schon in der (wieder befüllbaren) Käsereibe und auch das Butterbrot mit Käse muss man sich künftig nicht mehr selbst schmieren - gibt's alles fertig aus dem Kühlregal. Ob diese Neuheiten, die die Einkäufer der großen Handelskonzerne auf der Anuga begutachten können, allerdings auch ein Verkaufsschlager werden, steht auf einem anderen Papier. Die Chancen sind zumindest nicht schlecht: Denn Deutschlands Kunden sind beim täglichen Einkauf zwar knauserig geworden, sie lassen sich aber durchaus hin und wieder mal etwas mehr Geld aus der Tasche locken - etwa, wenn sie dafür bei der Zubereitung Zeit sparen.
„Convenience“-Produkte heißen diese Lebensmittel für Bequeme. Darunter fällt die Tiefkühlpizza und der Mikrowellen-Hamburger ebenso wie das fertig geschmierte Käsebrot. Jahr für Jahr verbucht die Lebensmittelbranche zweistellige Zuwachsraten in diesem Bereich. Um rund 30 Prozent kletterte 2004 allein der Umsatz mit gekühlten Komplettmenüs. Die starken Umsatzsteigerungen in diesen Trendbereichen führen jedoch nicht dazu, dass der Umsatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel wächst: „Insgesamt stagniert der Markt bei knapp 136 Milliarden Euro“, sagt Sabine Eichner-Lisboa, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Es gebe aber innerhalb einzelner Sparten Umsatzverlagerungen. Und vor allem bei Grundnahrungsmitteln herrsche ein starker Preiswettbewerb. Mit den „preissensiblen“ Aldianern - die mittlerweile gut 40 Prozent der Kundschaft ausmachen - lässt sich in klassischen Supermärkten kein Geld verdienen, wohl aber mit Konsumenten, die sich hin und wieder etwas gönnen. Gut 20 Prozent der Deutschen seien tendenziell „Premium-Kunden“, hat die GfK-Studie „Consumers Choice 05“ ergeben. Genau diese Premium-Kunden, die im Schnitt 20 Prozent mehr für ihre Lebensmittel ausgeben als andere, wollen Handel und Industrie künftig locken. Und so sind neben „Convenience“ die Themen „Genuss“ und „Wellness“ die großen Trends auf der Anuga. Branchenschätzungen zufolge beträgt das Umsatzvolumen im Premiumbereich weltweit 60 Milliarden Euro.
An diese Premium-Kunden richten sich auch viele exotische Neuheiten auf der Anuga: So bietet ein Aussteller aus Südafrika Krokodilfleisch-Carpaccio. Ein französischer Hersteller wartet mit „Inca Inchi Öl“ auf, das aus Samen des Amazonasgebiets gewonnen wird - und nach Bohnen schmeckt. Farbenfroh präsentiert sich der Wellnessdrink „Pharao“ in den Geschmacksrichtungen Carob, Hibiskus, Tamarinde, Pfefferminze und Lakritz - „aus Rezepturen des alten Ägyptens“. Das Wasser für den Drink wird im Übrigen nicht aus Nordafrika eingeflogen. Es kommt aus Österreich.
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