Erstellt 13.10.05, 13:43h
JUNGE ZEITEN: Dietmar, was haben du und deine Kölner Mitstreiter im Kampf gegen Studiengebühren bisher getan?
DIETMAR ILSEN: Bereits im Frühjahr haben wir Demos gegen Studiengebühren vorbereitet. Aus dem Studierendenparlament kam große Unzufriedenheit, da an der Kölner Uni in dieser Sache zunächst nicht viel passierte. Der ASta (Allgemeiner Studierendenausschuss) lud schließlich zum Kampagnentreffen ein. Mit dabei waren die Grüne Hochschulgruppe, die Jusos, die Fachschaften, die Alternative Liste, aber auch die Bezirksschülervertretung. Noch vor den Landtagswahlen im Mai errichteten wir Barrikaden vor der Uni, um ein Zeichen zu setzen. Nach den Landtagswahlen trafen wir uns in Aktionsgruppen. Mittlerweile haben wir eine Kreativgruppe von über 70 Leuten, eine Streikgruppe von 30 Leuten und Organisationsgruppen für größere Veranstaltungen. Ganze Fakultäten waren bereits im Streik, die Philosophische Fakultät wurde zwei Wochen lang blockiert. Das gab Zeit zum Demonstrieren und Informieren.
Welche politische Entwicklung erwartest du in nächster Zeit?
DIETMAR. Es geht nicht nur um Studiengebühren, sondern auch um Demokratie an der Hochschule. Denn es ist zu befürchten, dass diese weiter eingeschränkt wird. Ein anderer Streitpunkt ist der Generalumbau des deutschen Studiums, wobei zu befürchten ist, dass durch eine Umstellung auf ein Bachelor- Mastersystem ganze Studiengänge wegfallen könnten.
Die neue Landesregierung scheint fest entschlossen, an ihren Plänen festzuhalten. Welche Argumente setzt du entgegen?
DIETMAR: Studiengebühren erschweren den Zugang zur Hochschule. Auch wird Bildung immer mehr aus der Perspektive betrachtet, später möglichst gut zu verdienen, um die Kredite für BAföG oder Studiengebühren schnell zurückzahlen zu können. Doch das darf nicht die einzige Motivation sein. Bildung ist mehr als das! Es sollte die Freiheit geben, nach Interesse zu studieren.
Wie ist die Reaktion der Studenten? DIETMAR: Das Echo ist überwiegend positiv, doch es gibt auch Initiativen wie die Bewegung „Studieren jetzt“, die sich für Protest, aber gegen Streik aussprechen.
Was habt ihr erreicht?
DIETMAR: Zunächst ein gesteigertes Problembewusstsein bei den Studierenden und ein großes Medienecho. Selbst wenn es nicht gelingt, das Gesetz zu verhindern, lohnt es, sich an seiner Hochschule weiter einzusetzen und Druck zu machen. Denn die Unis sollen bei der Frage, ob und in welcher Höhe sie Studiengebühren einführen, per Gesetz Handlungsspielraum bekommen. Und es gibt durchaus Hochschulen, die sich gegen Studiengebühren entscheiden wollen.
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