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Das kleine „Wunder“ vom Jerichower Land

Erstellt 21.10.05, 07:00h

Investoren müssen keine Ämter abklappern, sondern bekommen alle Genehmigungen aus einer Hand.

Investoren müssen keine Ämter abklappern, sondern bekommen alle Genehmigungen aus einer Hand.

Leipzig - In Deutschland geschehen offenbar noch kleine Wirtschaftswunder - zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, dem jahrelang das Rote-Laterne-Image anhaftete. Während das übrige Deutschland weiter auf den Aufschwung wartet, macht der Landkreis Jerichower Land mit erstaunlichen Zahlen von sich reden.

Nach einer Statistik des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder“ war die Region mit einem Wachstum von satten 9,1 Prozent 2003 deutscher Spitzenreiter. Dagegen wuchs die Wirtschaft im restlichen Bundesgebiet nur um ein Prozent. Damit lässt der mittelständisch geprägte Landkreis sogar Wolfsburg, Essen oder Starnberg hinter sich.

Die Arbeitslosenquote ist mit 14,3 Prozent zwar immer noch sehr hoch, bewegt sich aber deutlich unter dem Durchschnitt der übrigen Landesteile in Sachsen-Anhalt von 19,2 Prozent. Großindustrie sucht man im Jerichower Land mit seinen knapp 99 000 Einwohnern vergebens. Der Landkreis, der 16 Gewerbegebiete ausgewiesen hat, setzt vor allem auf den Mittelstand. In Genthin, wo zu DDR-Zeiten im VEB Waschmittelwerk rund 1600 Mitarbeiter die Marke „Spee“ produzierten, beschäftigt Henkel heute noch 350 Menschen. Die Stadt Burg ist vor allem für ihre traditionsreiche Knäckebrot-Fabrik bekannt. Die zwischen Magdeburg und der Landesgrenze zu Brandenburg gelegene Region profitiert vom guten Anschluss an Wasserstraßen und die A 2. Selbstbewusst wirbt Burg mit seiner Lage an der „Investitionsachse Paris-Burg-Moskau“.

„Enormes Arbeitstempo“

Landrat Lothar Finzelberg lobt die zügige Genehmigungspraxis bei Investitionen und das „enorme Arbeitstempo“ bei der Auftragsvergabe etwa im Straßenbau. Bernd Girke von der Wirtschaftsförderung berichtet: „Die Investoren müssen nicht zu verschiedenen Ämtern laufen, sondern bekommen alles aus einer Hand, von der Baugenehmigung über den Emissionsschutz bis zum Naturschutz.“

Wegen seiner schwachen Entwicklung zwischen 1999 und 2002 und des stark geschrumpften Bruttoinlandsprodukts in dieser Zeit war der Landkreis auf einem relativ niedrigen Niveau gestartet. Danach zog das Wirtschaftswachstum wieder an. Dem Image scheint die Schwächephase nicht geschadet zu haben - seit Monaten wirbt Sachsen-Anhalt mit einer Standortkampagne verstärkt um Investoren und Touristen. (afp)



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