Von JOHANNA DI BLASI, 25.10.05, 07:03h
Jörg Kobel nähert sich dem charismatischen Ausnahmekünstler Kippenberger unbefangen, ja geradezu naiv. Der junge Regisseur kombiniert dokumentarisches Material und eigene Interviews, darunter mit der Kölner Galeristin Gisela Capitain, mit Werner Peters vom Kölner Hotel Chelsea und mit Kasper König, Direktor des Museum Ludwig, der Sträflingsuniform trägt, weil gerade Weiberfastnacht war. Von der Kunst ist in „Kippenberger - Der Film“ kaum die Rede, umso mehr vom Menschen.
Nicht immer leicht
In spärlich eingesetzten Originaldokumenten taucht er selbst auf: als Punkkünstler, sonderbarer Rock'n'Roll-Tänzer und Joker mit Sprüchen wie „Hallöchen, hier ist der Onkel“. Gisela Capitain spricht mit großer Wertschätzung über Kippenberger, den sie privat als „zurückhaltend, fast scheu“ erlebt hat. Die Sammler-Familie Grässlin hat sich freundschaftlich um den alkoholkranken, menschlich schwierigen Künstler gekümmert. Stolz präsentieren die Grässlins ihren Ford Capri mit braunem und haferflockigen Kippenberger-Dekor. Über seine eigene Konfirmationsrede sei ihr Bruder dermaßen gerührt gewesen, dass er in Tränen ausbrach, erzählen seine Schwestern. Seine Freunde, Michel Würthle und Reinald Nohal von der Berliner Szenekneipe Paris Bar, hat Kippenberger vor seinem Tod noch mit U-Bahn-Stationen an widersinnigen Orten in Griechenland und Alaska versorgt.
Die Szenen mit Kippenbergers später Liebe, der österreichischen Fotografin Elfi Semotan, berühren besonders. Sie pflegt sein Grab im Burgenland. Die Uraufführung im Museum Ludwig war dermaßen überlaufen, dass für die überzähligen Kippy-Freunde spontan eine zweite Aufführung im Kölnischen Kunstverein eingeschoben wurde. Acht Jahre nach seinem Tod ist deutlicher denn je: Kippenberger ist eine fast mythische Identifikationsgestalt. Heute haben die Zeitzeugen beinahe nur noch Positives über das einst umstrittene Genie zu berichten. So viel Harmonie wäre Kippenberger selbst suspekt gewesen. Koproduzierende Fernsehsender hat Kobel für seine ausführliche und liebevolle Kippenberger-Hommage nicht gefunden. Nun hofft er auf Sendeplätze.
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