Von KERSTIN MEIER, 31.10.05, 07:03h
Nein, A-ha haben sich selbst nicht neu erfunden - wozu auch? Was sie jetzt in der Kölnarena präsentierten, war professioneller Pop, der auf die Sekunde genau durchchoreografiert war. Mikrofone schleudern, Gitarren in die Senkrechte heben, Gesangseinlage aus dem Publikum - die drei Norweger überlassen nichts dem Zufall. Bei der Band sitzt jeder Handgriff genauso perfekt wie die Frisur. Schließlich sind sie schon seit über 20 Jahren im Geschäft und wissen, was Massen unterhält. Und genauso, wie sich ihre Musik nicht verändert hat, sieht auch der hohlwangige Frontmann Morten Harket im Jahr 2005 immer noch aus wie der geborene Popstar.
Natürlich sind seit den 80er Jahren alle ein wenig älter geworden - auch das Publikum. Doch wer etwa meint, Menschen jenseits der 40 seien weniger begeisterungsfähig als jüngere Jahrgänge, wurde in Köln von den 10 000 Zuschauern eines Besseren belehrt. Gassenhauer wie „Take On Me“ oder „Hunting High And Low“ wurden dermaßen frenetisch gefeiert, dass kreischende Teenager dagegen harmlos sind. Überhaupt fragt man sich, warum eine Band wie Coldplay heute die ersten Chartplätze belegt, wenn doch Morten Harket so viel schöner ins Mikrofon heult als Kollege Chris Martin. Außerdem hat Harket viel besser verstanden, worum es beim Pop geht. Während Martin bei jeder Gelegenheit sein Gutmenschentum raushängen lässt, gibt sich der A-ha-Sänger angenehm abgeklärt und wird mit dem schönen Satz zitiert: „Meine größte Herausforderung ist zu vermeiden, klug zu werden.“
So ist es A-ha gelungen, sich ins nächste Jahrtausend rüberzuretten, ohne peinlich zu werden. Das ist wahrscheinlich eine größere Leistung, als Unmengen von Top-Ten-Singles abzuliefern und acht MTV-Awards einzuheimsen. In den 90ern gönnten sich Pal Waaktaar-Savoy, Magne Furuholmen und eben Morton Harket eine Auszeit mit Abstechern ins Filmbusiness und in die bildende Kunst. Ihr Comeback hat nicht nur mit dem grassierendem 80er-Jahre-Revival zu tun, sondern vor allem mit der zeitlosen Qualität der Lieder und der Band. A-ha haben die Popgeschichte musikalisch und mit wegweisenden Videos auch visuell geprägt. Das sollte A-ha ermutigen, künftig noch stärker auf ihre neuen Stücke zu vertrauen.
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