Von JAN STING, 05.11.05, 07:21h
Es lebe der Unterschied: Der eine ist Joe Zawinul, ein blitzwacher Erfinder, der von der ersten Sekunde an mit Synthetikstimmen vibriert, an Knöpfen und Verstärkern dreht, und alte Hasen wie experimentierfreudige Nachwuchsmusiker der WDR-Bigband zu immer neuen Klangbildern aufwühlt. Der andere ist José Feliciano. Ein gravitätischer Barde, der die klassische Gitarre anstimmt und mit der Zeit den aparten Zauber seiner Evergreens entfacht. Zawinul gibt Einblick in die Klangwerkstatt, lässt immer Neues aus dem Sack. Und Feliciano sitzt einfach da und bringt das Publikum mit seinen Ohrwürmern zum Toben. Eine Wucht waren sie beide.
Die „Legends in Concert“ haben die 26. Leverkusener Jazztage gleich zur Eröffnung auf ein tempo- und facettenreiches Programm eingestimmt. Das neue Projekt, das der Österreicher Zawinul mit der WDR-Bigband auf die Beine gestellt hat, ist ungemein vielschichtig. Das Arrangement stammt von Vince Mendoza, dazu gehören Victor Bailey (Bass), Nathaniel Townsley (Drums) und Alex Acuna (Percussion). Man ist aufeinander eingespielt und gibt sich die Codes zu immer neuen Clustern. Martinshörner mag man da hören, tibetanische Mönchsmusik oder einfach die Stimme von Micky Mouse.
Sympathisch an Zawinul ist vor allem, dass er sich an keiner Stelle als der große Zampano gibt - die technischen Mittel hätte er. Nein - der Erfinder des Hip-Hop-Beats nimmt sich zurück, gibt den Bandmitgliedern ein Forum, und die wiederum geben ihr Bestes. Somit bricht das etablierte Ensemble mit Hörgewohnheiten. Im Publikum sind alle Altersklassen vertreten. Ganz vorne drängen sich junge Zuhörer, die allen genau auf die Finger schauen, als wollten sie jeden Ton im Gedächtnis behalten. Auf den Treppen sitzen welche, denen es völlig egal zu seien scheint, ob sie sich ihre schicken Klamotten schmutzig machen. Die Atmosphäre ist entspannt, gut gelaunt und in der Pause erhalten die Zuspruch, die die Aufmerksamkeit wirklich verdient haben: Die Blowshop-Bigband, der Jazznachwuchs der Leverkusener Musikschule, machte im Agamsaal feine Musik.
Nach der Pause hatte José Feliciano seinen Auftritt. Ein Auftritt, der zuerst schmunzeln ließ. Die Gitarre war nicht gestimmt, der hüstelnde Star wirkte etwas indisponiert und seine Combo ein bisschen gelangweilt. Doch Vorsicht: Wer musikalisch so unvermittelt Gas geben kann, der darf auch kleine Schwächemomente zeigen. Schon bald zeigte Feliciano, Pionier des Latin-Pop, mit seiner raumgreifenden Stimme, wo es langging. Der Sänger solcher Songs wie „Que Sera“ oder „California dreamin“ entlockte seinem Publikum Juchzer der Begeisterung, erst recht durch sein virtuoses Gitarrenspiel. Auch die Band zückte die Schweißtücher - die Auswahl, die Festivalmanager Eckhard Meszelinsky für den ersten Abend getroffen hatte, überzeugte.
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