Von MARIANNE QUOIRIN, 09.11.05, 06:57h
London - Was tun Banker, die im Oktober die höchsten Gewinne seit Jahren eingestrichen haben? An der Börse spekulieren? Partys geben, auf den der Champagner in Strömen fließt? Den Frauen und Freundinnen hochkarätige Klunker kaufen? Mitnichten. Sie investieren, wie der britische „Independent“ meldet, schöne Summen erst einmal in ihren Körper. Denn ihr Lebensmotto, hart zu arbeiten und gut zu dinieren, hat deutliche Spuren hinterlassen: Falten im Gesicht und zu viel Speck auf den Hüften.
Die Harley Medical Group, die elf Kliniken für Schönheitsoperationen in Großbritannien unterhält, war so indiskret, die Informationen über die Männer mit den fetten Einkommen und den Rettungsringen um die Taille an die Öffentlichkeit zu bringen: Ihre Ärzte konnten mehr als 40 Prozent an Operationsterminen für die Männer des Finanzgewerbes verbuchen - und das angesichts eines Rekordes an Patienten gleicher Herkunft zu Anfang dieses Jahres.
Die Manager der Schönheitskliniken geben auch preis, dass 45 Prozent der Kunden aus dem Banker-Milieu sich das Fett absaugen lassen, 32 Prozent für chirurgische Korrekturen im Gesicht optieren und etwa 15 Prozent sich die Falten mit Botox aufspritzen lassen. Tammy Campbell, Managerin einer der drei Kliniken in der City von London, kommentiert die Wünsche der Banker so: „Sie ärgern sich über ihren dicken Bauch und den Speck auf den Hüften, den sie vergeblich mit einer Diät loswerden wollten. Und sie schämen sich so, dass sie nicht einmal in einen Fitnessclub wagen.“
Die Managerin lobt die Klientel, die sich vor dem ersten Termin schon intensiv über die Möglichkeiten der Schönheitschirurgie informiert hat und genau weiß, was sie will und wie viel sie investieren möchte - im Durchschnitt etwa umgerechnet 15 000 Euro. „Die einzige Frage der Banker ist“, so sagt sie: „Wann kann ich wieder zurück zu meiner Arbeit?“ Mit einem gewissen Unterton stellt sie fest, dass die Gebühr für die Operation die gleiche Summe ist, die ein maßgeschneiderter Anzug kostet.
Die Wünsche der Banker haben die Vereinigung der Plastischen Chirurgen auf den Plan gerufen. „Das sind Männer, die ihr Leben bestens organisiert haben. Sie sind bei ihrer Arbeit sehr erfolgreich, verdienen überdurchschnittlich viel und haben Familie“, kommentiert Adam Searle, Präsident der Vereinigung, die Klientel: „Aber wenn sie in den Spiegel schauen, erschrecken sie über ihre Tränensäcke und Rettungsringe.“ Searle fürchtet, dass die mittelalten Männer zu hohe Erwartungen haben: „Sie gehen davon aus, dass sie sich einen schönen Körper genauso kaufen können wie ein schnelles Auto.“ Während die Kliniken massiv um die zahlungskräftige männliche Klientel buhlen, versuchen die Fachmediziner alte Weisheiten an den Mann zu bringen: Sport und gesunde Ernährung, so ihre Lehre, seien besser als Fettabsaugen, zumal die Ergebnisse bei Männern häufiger als bei Frauen zu wünschen übrig lassen. „Kunstfehler können so schlimme Folgen haben“, sagt Adam Searle, „dass am Ende der Patient ein viel größeres Problem hat als vor dem Eingriff.“
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