Von UWE MIES, 10.11.05, 08:29h
Wieder fand sich ein Erfolgsroman aus Amerika, diesmal von Jennifer Weiner, der mit klarer Strategie fürs weiße mittelständische Frauenpublikum verfilmt wurde. Die Konstellation zweier ungleicher Schwestern mit präzise verteilten Stärken und Schwächen liefert Munition für heiter-besinnliche Dramatik, während das Umfeld der rüstigen Oma Ella den Humus für Dialogwitz aus der „Golden-Girls“-Schule bereitet.
Curtis Hanson bereichert mit dieser komödiantischen Melodramatik seine Genresammlung und liefert eine weitere Kostprobe seiner superben Schauspielerführung. Toni Collette und mehr noch Cameron Diaz spielen mit der intensiven Hingabe, die bei Oscar-Juroren unbedingten Wohlgefallen auslöst, während Shirley MacLaine schon zum vierten Mal binnen Jahresfrist die flotte Rentnerin gibt. Das reicht für einen Gesamtwurf, bei dem die Lacher so kalkuliert sind wie der Tränendruck. Alles ist eine Spur zu offenkundig auf Oscar-Kurs getrimmt und dabei absehbar genug, dass die Überraschungen tief, aber nicht vernichtend treffen. Qualitätskino ist das kaum, aber es kaschiert das sehr geschickt.
„In den Schuhen meiner Schwes ter“. Regie: Curtis Hanson. Mit Cameron Diaz, Toni Collette. USA 2005. 130 Minuten.
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