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Exotische Tiere erleben einen Boom

Von URSULA FUCHSHOFEN, 11.11.05, 07:21h

Leguane und Geccos, Pythons und Schildkröten. Zunehmend mehr Menschen halten sich exotische Tiere. Fachleute sprechen gar von einem Boom. Doch die Probleme im Umgang mit den Lebewesen ferner Länder werden vielfach unterschätzt.

Bild: Ralf Krieger
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"Reparaturewrkstatt" im Exoten-Boom. Holger Aschentrup-Adler kümmert sich um verletzt und falsch behandelte Tiere und päppelt sie wiede auf.
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"Reparaturewrkstatt" im Exoten-Boom. Holger Aschentrup-Adler kümmert sich um verletzt und falsch behandelte Tiere und päppelt sie wiede auf.
Leguane und Geccos, Pythons und Schildkröten. Zunehmend mehr Menschen halten sich exotische Tiere. Fachleute sprechen gar von einem Boom. Dabei ist das Wissen über diese Tiere ferner Länder oft sehr gering.

Es ist in, es ist schick, exotische Tiere zu besitzen. Allein in Leverkusen gebe es rund 1300 Menschen, die geschützte, exotische Tiere halten. Das schätzt Jürgen Kossler von der unteren Landschaftsbehörde, dort zuständig für den Artenschutz. Rechne man, dass jeder Halter fünf Tiere besitzt, dann komme man allein auf rund 7000 allein in Leverkusen, sagt der Biologe. Dazu müsse man eine Dunkelziffer von 40 bis 50 Prozent rechnen, und natürlich die vielen Tiere, die überhaupt nicht dem Artenschutz unterliegen.

Kurzum: Seit Jahren gibt es einen Run auf Exoten, und die Begeisterung für die Tiere aus fernen Welten wird immer größer. Besucherzahlen bei entsprechenden Tier- und Terraristikbörsen sind ein Beleg dafür. In Hamm, beispielsweise, findet eine der ganz großen Messen statt. Dort muss der Veranstalter inzwischen nach drei, vier Stunden Interessenten abweisen mit der Begründung, dass die Hallen voll seien. Köln zieht nun nach: Mitte November findet am Tanzbrunnen eine entsprechende Börse statt, und zwar abends.

Es war im vergangenen Jahr: Da machten die staatlichen Artenschützer aus Leverkusen und dem Rheinisch Bergischen Kreis eine grausame Entdeckung. Sie fanden sowohl auf einem Grundstück in Leverkusen als auch auf einem im Rheinisch Bergischen Kreis rund 100 griechische Landschildkröten ein und desselben Halters. Die Tiere sind streng geschützt, und sie seien in einem erbärmlichen Zustand gewesen. Viele von ihnen seien selbst nach einer professionellen Betreuung gestorben, sagt Leverkusens Artenschützer.

Aber dieser Fall ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn oftmals sind es unbescholtene, wenngleich naive Leute, die sich ein exotisches Tier zulegen, ohne sich vorher intensiv mit den Lebensbedingungen dieses Geschöpfes auseinander gesetzt zu haben. „Das ist das Hauptproblem“, sagt die Tierärztin Annette vom Schloss vom Leverkusener Veterinäramt. Sie ist zuständig für den Tierschutz, also auch für exotische Tiere, die nicht unter den Artenschutz fallen. Und das sind ihr zufolge eine ganze Menge, nämlich fast alle Insekten und fast alle Schlangen. Aber auch für den grünen Leguan entfalle demnächst der staatliche Artenschutz. Diese Reptilie sei ein Baumbewohner, und sie könne gut und gern einen Meter lang werden. „Der braucht eine ganz bestimmte Temperatur, eine ganz bestimmte Luftfeuchtigkeit, und natürlich ein großes, und vor allen Dingen hohes Terrarium. Das sind enorme Kosten, und viele Menschen machen sich das vorher überhaupt nicht klar.“

Genau so wenig wie den Kostenfaktor vergegenwärtigen sich viele nicht die ausgewachsene Größe eines Tieres. Denn gehandelt werden in den Regel Babys. Was passiert mit den Tieren, die die Arten- und Tierschützer unter ihre Fittiche nehmen müssen, weil sie vernachlässigt, krank und nicht artgerecht gehalten werden? Sie werden den Halten weggenommen, werden tierärztlich behandelt. Und dann? Was geschieht mit ihnen? Die Tierheime sind auf die klassischen Haustiere spezialisiert, eben auf Hunde, Katzen, Kaninchen..., nicht aber auf Tiere, die in der australischen Wüste oder im brasilianischen Regenwald zu Hause sind.

In der Regel werden die Tiere in so genannte Auffangstationen gegeben. Für Affen, übrigens laut Jürgen Kossler auch ganz groß im Kommen, gebe es in den Niederlanden ein Domizil. Andere vernachlässigte Tiere wiederum werden an qualifizierte Züchter gegeben, die den Geschöpfen ein weitgehend artgerechtes Leben ermöglichen.

Einer von ihnen ist Holger Aschentrup-Adler. Er ist Spezialist für Schildkröten und weit über die Grenzen der Stadt hinaus als Fachmann bekannt. Der 41-Jährige wird immer dann zurate gezogen, wenn es um die gepanzerten Vierbeiner geht, sei's vom Tierheim Dellbrück oder Troisdorf, sei's von der Tierhilfe Leichlingen, sei's von Jürgen Kossler. Denn die meisten Schildkröten stehen unter strengem Artenschutz. „Viele bringen sich aus Griechenland oder der Türkei eine Schildkröte mit“, erzählt er, „ohne einen blassen Schimmer davon zu haben, was die eigentlich brauchen.“

Im günstigsten Fall landen dann kranke Tiere, außen und innen voll mit Parasiten, und abgemagert, bei Leverkusens „Schildkröten-Papa“. Und der päppelt die scheinbar so ruhigen Vierbeiner mit Hilfe eines Tierarztes langsam wieder hoch. Die dann gesunden Tiere darf er allerdings nicht etwa verkaufen, sondern kann sie an geeignete Halter abgeben. Und die guckt sich Holger Aschentrup-Adler ganz genau an. Wer kein Freigehege hat oder gar mit Katzenfutter kommt, der hat keine Chance, ein Tier zu bekommen.

Zur Zeit hat der Gärtner rund 20 Tiere, die Hälfte davon in Pflege. Die Kosten trägt er ganz allein. Und die Haltung von Schildkröten ist nicht gerade billig. Enorm hohe Stromkosten würden anfallen, weil die Terrarien auf Temperatur gehalten und beleuchtet werden müssen, sagt er. Dazu kommen Arztkosten, und natürlich das Futter, in der Regel Würmer und Käfer. Im ungünstigsten Fall werden die Schildkröten ausgesetzt. „Man hat schon welche in der Wupper und auch im Ophovener Weiher gesichtet“, erzählt er.

Oder aber sie werden einfach aus dem Fenster geworfen, so geschehen mit Rosi. Das schon recht stattliche Tier mit einer Länge von rund 30 Zentimetern sei bei Aschentrup-Adler abgegeben worden, sein unterer Panzer sei gebrochen gewesen. Erst müsse das Tier wieder richtig fressen und die Wunde heilen, erst dann könne er sie in den Winterschlaf schicken, sagt der Experte.



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