Von Tim Stinauer, 09.11.05, 16:56h, aktualisiert 09.11.05, 21:00h
Diese Ergebnisse sind deshalb so überraschend, weil die Bundesregierung und die Europäische Union davon ausgehen, dass „nur“ 400 000 der 18- bis 59-Jährigen in Deutschland mindestens einmal im Jahr koksen. Wendet man diese Quote auf die Ergebnisse der Nürnberger Wissenschaftler an, würde das bedeuten, dass die Kokainkonsumenten in diesem Einzugsgebiet täglich etwa 14-mal die Droge schnupfen müssten. Eine Menge, die selbst regelmäßige Kokser nur schwerlich erreichen können.
Deswegen ist viel wahrscheinlicher, dass der Kokainkonsum viel verbreiteter ist als gedacht. „Die konsumierten Mengen sind mehr als doppelt so hoch wie bisherige Veröffentlichungen zeigen“, sagte der Vater der Studie, Fritz Sörgel, Leiter des Nürnberger Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP).
Wie aber schließt man aus Wasserproben auf den Kokainkonsum der Bevölkerung? Zwei Wochen lang haben Mitarbeiter des IBMP das Wasser großer Flüsse in Deutschland auf Abbauprodukte von Kokain getestet. Diese gelangen in den Fluss, weil die Konsumenten die chemischen Rückstände mit dem Urin ausscheiden, das wiederum mit dem Abwasser in die Flüsse geleitet wird. Von der Konzentration des Abbauprodukts Benzoylecgonin schließen die Wissenschaftler dann auf die konsumierte Menge der Drogen.
Dieses Rechenmodell sei zwar eine Vereinfachung, erlaube aber eine solide Schätzung, sagte Sörgel. Mehrere renommierte Fachleute halten die analytische Vorgehensweise der Nürnberger Forscher für zulässig. Besonders hoch waren die Werte übrigens für die Isar in München, eher niedrig die in Berlin gemessenen Resultate. Köln liegt im Mittelfeld.
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