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Sinead O'Connor entdeckt den Reggae

Von KERSTIN MEIER, 17.11.05, 07:03h

Mit einer starken Stimme und viel Aus- strahlung beeindruckt Sinead O'Connor das Publikum in der Kölner Kantine - mit einem neuen Stil. Sie hat den Reggae für sich entdeckt.

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Schon viele Male hat sich die Irin neu erfunden - jetzt blickt sie in Richtung Karibik.

Jetzt also Reggae. Sinead O'Connors Karriere erinnert ein wenig an das Klischee der verzweifelten Hausfrau, die auf der Suche nach Selbstverwirklichung alles einmal durchprobiert: Batik, Töpfern, Yoga, Feng-Shui. Bei O'Connor liest sich das so: 1990 ein furioser Charts-Erfolg mit dem von Prince geschriebenen Pop-Heuler „Nothing Compares 2 U“, danach Rap, ein Studium der Oper, zwischendrin Balladen mit Hip-Hop-Einflüssen, dann irischer Folk. Kürzlich behauptete die kahlrasierte Sängerin dann, sie habe jetzt ein für alle Mal genug davon, berühmt zu sein. Und jetzt steht die kleine, schmale Sinead O'Connor also auf der Bühne der Kölner Kantine und singt Reggae-Songs.

An Sonne denkt der gemeine Nordeuropäer da, an bunte Farben, vielleicht noch an Hasch. Doch was O'Connor darbot, hat nichts mit der fröhlichen, beschwingten Seite von Reggae zu tun. Blass sieht sie aus mit ihrem rasierten Schädel, den legendären Riesenaugen und einem Männerhemd, in dem sie zu verschwinden droht. Inmitten ihrer überwiegend schwarzen Band und zwei gut gebauten Backgroundsängerinnen wirkt sie irgendwie deplatziert. Aber da ist ja noch diese eindringliche Stimme. Gleich mit dem ersten Song, Burning Spears „Jah Nuh Dead“, stellt sie zwei Sachen klar. Erstens: Sie kann singen; zweitens: Sie meint diese Reggae-Sache verdammt ernst.

Das Publikum liebt sie sowieso. Immer wieder reicht jemand Gerbera auf die Bühne - in Fankreisen offensichtlich bekannt als O"Connors Lieblingsblumen. Ein Fan gibt sogar einen Brief nach vorne. O' Connor könnte auch Shantys oder die Mundorgel intonieren - mit ihrem verschrobenen Charme zieht sie Menschen an, die ihre Absage an den Mainstream teilen und mögen. Völlig undenkbar, dass sie an diesem Abend noch mal ihre alten Pop-Hits auspackt. Wenn Frau O'Connor sich wandelt, dann konsequent. Ihr liegt sehr viel an den Stücken von den Devon Irons, Abyssinians, Peter Tosh, Bob Marley und Lee Perry - daran lässt sie keinen Zweifel. „Sie sind meine Helden, meine Lehrer, meine Meister, meine Priester, meine Propheten, meine Führer und meine Paten“, schreibt sie im Booklet ihres Studioalbums, das nach dem Burning-Spear-Stück „Throw Down Your Arms“ benannt ist.

Doch anders als auf der CD dominiert live der gleichförmige Reggae-Beat ihre Stimme. Nur bei den ruhigeren Stücken, wie bei „Jah Nuh

Dead“ oder Lee Perrys „Curly Locks“ kann sich ihr Gesang wirklich entfalten. Dann weicht das rhythmische Kopfnicken einer faszinierten Stille im Publikum. Offenbar will Sinead O" Connor ihre Person nicht vor die Stücke drängen. Diese Haltung zeigt ihren großen Respekt vor dem Songmaterial. Zusammen mit den Roots-Reggae-Veteranen Sly & Robbie interpretiert sie die Stücke live genauso schnörkellos wie auf dem neuen Album. Doch gerade diese starken Stücke können auch eine starke Stimme vertragen. Zweifellos besitzt Sinead O'Connor eine solche Stimme, hält sich aber auf der Bühne bescheiden zurück. Mit „Throw Down Your Arms“ erfindet sie also den Reggae keinesfalls neu - aber einmal mehr sich selbst.



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