Von RALPH SCHULZE, 19.11.05, 07:00h
Madrid / Tunis - Ein giftgrüner Billig-Laptop, der nicht mehr als 100 Dollar kostet, soll Bildung und digitale Revolution auch in die armen Länder der Erde tragen. Dieses Projekt, das vom amerikanischen Internet- und Informatik-Guru Nicholas Negroponte angestoßen wurde, fand auf dem Weltinformationsgipfel in der tunesischen Hauptstadt Tunis große Unterstützung. UN-Generalsekretär Kofi Annan stellte dort gemeinsam mit Negroponte, dem Gründer des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), den tragbaren 100-Dollar-Computer vor. Mit dieser „robusten Maschine“, so Annan, könnten Kinder der Dritten Welt bald „aktiver lernen“.
In der Tat zeigten Feldversuche der UN etwa in den Slums indischer Großstädte, dass Analphabeten, denen Internet- und Computerzugang geboten wurden, erstaunlich schnell Lesen und Schreiben lernten. „Die Informationstechnologie hilft, die Tür zur Bildung aufzuschließen“, sagte Annan schon vor dem Gipfel, „für junge Mädchen in Afghanistan, Studenten in Uganda oder Arbeiter in Brasilien.“
Der Billig-Laptop mit der Kurbel ist alles andere als ein modernes High-Tech-Gerät. Dennoch soll der robuste Mobilcomputer nahezu die gleiche Leistung bringen, sagt Negroponte. Er könne nur keine großen Datenmengen speichern. Ende 2006 bis Anfang 2007 könnte der 100-Dollar-Laptop in Serie gehen. Er wird nicht im freien Handel erhältlich sein, sondern soll in Millionen-Stückzahlen an Bildungsministerien in den einzelnen Staaten verkauft und an Schüler verteilt werden.
Das Gerät wird von der gemeinnützigen Organisation „One Laptop per Child“ (ein Laptop für jedes Kind) entwickelt, das unabhängig vom MIT arbeitet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem AMD, der Suchmaschinenbetreiber Google, die News Corporation und der Linux-Distributor Red Hat. Es sei nicht viel, was sein 100-Dollar-Laptop nicht könne, sagt Negroponte. Das Gerät nutzt das freie Betriebssystem Linux sowie Prozessoren von AMD und soll die meisten Aufgaben wie ein hier- zulande üblicher Laptop bewältigen können. Der Preis von 100 Dollar soll vor allem durch den Einsatz besonders billiger Displays ermöglicht werden.
Für die Stromversorgung soll der Laptop alternativ über eine kleine Handkurbel verfügen, mit der sich mechanisch die Batterien wieder aufladen lassen. Eine Minute Kurbeln soll für bis zu 30 Minuten Betrieb reichen. Und mit Hilfe eines Henkels können die Schulkinder „ihren“ Laptop abends bequem nach Hause tragen. Ein Laptop sei sowohl ein Fenster als auch ein Werkzeug: Ein Fenster in die Welt und ein Werkzeug zum Denken, erklärt Negroponte.
Das Gerät ist eines aus einer ganzen Reihe von Entwicklungen, mit denen Institutionen und Industrie-Unternehmen die Bildung erleichtern und den Entwicklungs- und Schwellenländern einen Anschluss an die führenden Informations-Gesellschaften bieten wollen. Neben der Unterstützung des 100-Dollar-Laptops verfolgt beispielsweise AMD bei seiner Initiative „50x15“ das Ziel, bis zum Jahr 2015 mindestens 50 Prozent der Weltbevölkerung mit Computern und Netzzugang auszustatten. So soll zum Beispiel ein Gerät mit dem Namen PIC (Personal Internet Communicator) auf der Basis von Microsofts Betriebssystem Windows, Internet-Zugang und inklusive Monitor, Maus und Tastatur für unter 250 Dollar über Telekom-Unternehmen offeriert werden. (mit dpa)
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